Regeln Moderner Fünfkampf

Die Idee eines Wettbewerbes mit fünf Sportarten als Fünfkampf ist nicht neu. Ein Pentathlon war bereits eine athletische Disziplin bei den Olympischen Spielen der Antike. Der Name ist das griechische Wort für „Fünf Wettkämpfe“, nämlich Speer- und Diskuswurf, Sprung, Lauf und Ringen. In der Leichtathletik werden im Fünfkampf ebenfalls fünf Einzelwettkämpfe in verschiedenen Disziplinen ausgetragen. Diese Einzelergebnisse kommen in eine Punktetabelle, die sich am jeweiligen Weltrekord orientiert. Es gewinnt der Teilnehmer mit der höchsten Punktesumme aus allen fünf Teildisziplinen. Mittlerweile sind diese Bewerbe bei Männern durch den Zehnkampf und bei den Frauen durch den Siebenkampf ersetzt. Für Jugendliche gibt es jedoch weiterhin den Fünfkampf.

Beim Modernen Fünfkampf, ebenfalls als Pentathlon bekannt, handelt es sich um eine Vielseitigkeits-Sportart. Erfunden hat sie Pierre de Coubertin, der Initiator der Olympischen Spiele der Neuzeit. Hier sind fünf verschiedene Einzeldisziplinen in Form eines Mehrkampfes kombiniert: Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und Querfeldein-Lauf. Bis zum Zweiten Weltkrieg traten im Modernen Fünfkampf größtenteils Teilnehmer aus Militär und Polizei an.

Moderner Fünfkampf als olympische Disziplin

Der Moderne Fünfkampf wurde grundsätzlich als olympischer Wettbewerb konzipiert. Obwohl Pierre de Coubertin als Erfinder gilt, kennt man eine Tradition des militärischen Mehrkampfes aus Schweden. Durch die Bestimmungen des IOC gab es internationale Meisterschaften lange Zeit ausschließlich im Rahmen Olympischer Spiele. Seit 1984 finden jährlich Weltmeisterschaften, seit 1987 auch Europameisterschaften statt. Seit 2000 starten Frauen auch im olympischen modernen Fünfkampf.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki gab es erstmals auch eine Mannschaftswertung. Die letzte fand bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona statt. Hier gab es aufgrund der hohen Teilnehmerzahl mit 66 bei Reiten und Fechten große organisatorische Schwierigkeiten. 1996 wurde die Teilnehmerzahl begrenzt für ein Tagesprogramm für den gesamten Wettbewerb. Seit 2008 dürfen 36 Teilnehmer im Olympischen Bewerb stehen. Seit 2009 werden die Disziplinen Schießen und Laufen zum sogenannten Combined zusammengefasst. Seit 2016 wird die relativ zeitaufwändige Platzierungsrunde im Fechten im Vorfeld des Finales ausgetragen.

Qualifikation

Bei Weltmeisterschaften und den anderen großen internationalen Bewerben erfolgt die Qualifikation am Ort der Austragung. Jeder nationale Verband darf drei bis vier Teilnehmer anmelden. Die Gesamtteilnehmerzahl sollte jedoch jeweils 108 bei Frauen und Männern nicht überschreiten. Bei der Qualifikation entfällt das Reiten und es erfolgt üblicherweise ein Wettkampf in zwei oder drei Gruppen. Für das Finale mit Reiten qualifizieren sich je 36 Teilnehmer, die Top 12 der zwei Qualifikationsgruppen plus die 12 Punktbesten. Sind es drei Qualifikationsgruppen, stehen die Top 8 jeder Gruppe plus die 12 Punktbesten im Finale.

Wettbewerbsregeln

Das Besondere am Modernen Fünfkampf sind die Einzeldisziplinen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen an die Teilnehmer. Bei Laufen und Schwimmen sind Kraft und Ausdauer gefragt, bei Schießen und Fechten die Konzentrationsfähigkeit und das schnelle Reaktionsvermögen. Die Disziplin Reiten erfordert wiederum einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn sowie Einfühlungsvermögen und Feingefühl im Umgang mit dem Sportpartner Pferd. Daher bedeutet es einen großen Aufwand, um für diese Sportart zu trainieren.

Anders als beim Triathlon kommt es bei diesen fünf Disziplinen nicht unmittelbar nacheinander zu den Einzelbewerben. Dazwischen gibt es mindestens eine Stunde Zeitabstand. Die erzielten Leistungen werden in Punkte umgerechnet und addiert.

Die Einzeldisziplinen

  • Schwimmen: 200 Meter Freistilschwimmen, wo sich 250 Punkte durch eine Zeit von 2:30 Minuten erzielen lassen. Je Sekunde über oder unter der Richtzeit bedeuten drei Punkte mehr oder weniger.
  • Degenfechten: Für die Platzierungsrunde (Ranking Round) ficht jeder gegen jeden (Round Robin System). Hier genügt ein Treffer zum Sieg innerhalb einer Minute, ansonsten gilt eine Doppelniederlage. Für 70 Prozent der möglichen Siege gibt es 250 Punkte als Richtwert. Die Punktzahl für jeden Sieg mehr oder weniger ist in einer Tabelle festgelegt. Seit 2015 gibt es eine zusätzliche Bonusrunde: Der Letztplatzierte tritt gegen den Vorletzten an, der Sieger erhält einen Bonuspunkt und tritt dann gegen den Drittletzten an. Der jeweils siegreiche Athlet bleibt stets auf der Planche. Dieses sogenannte Leiter-System wird bis zum Führenden fortgeführt und gewinnt dieser seinen (einzigen) Kampf, erhält er zwei Bonuspunkte.
  • Springreiten: Ein 350 bis 400 Meter langer Parcours mit 12 bis 15 Hindernissen ist zu bewältigen. Der Veranstalter stellt die Pferde und es kommt zu einer Los-Zuteilung des Pferdes für die einzelnen Teilnehmer. Für einen fehlerfreien Ritt gibt es maximal 300 Punkte. Pro Abwurf werden je sieben, pro Verweigerung oder Sturz je 10 Punkte abgezogen. Null Punkte oder Elimination gilt, wenn ein Teilnehmer den Parcours nicht beendet beziehungsweise vier Verweigerungen oder zwei Stürze verzeichnet.
  • Combined besteht aus 3-Kilometer-Querfeldeinlauf und Pistolenschießen. Seit 2009 sind Schießen und Querfeldeinlauf keine Einzeldisziplinen mehr, sondern eine Kombinationsdisziplin (Combined). Als letzte in den fünf Disziplinen kommt es zu einem Handicapstart. Der Vorsprung wird anhand der Punkte errechnet nach dem Prinzip 1 Punkt = 1 Sekunde. Wer als erster die Ziellinie passiert, ist der Sieger des Modernen Fünfkampfes.

Geschossen wurde früher mit der Luftpistole auf biathlonähnliche Klappscheiben oder auf ein elektronisches Ziel mit einem Durchmesser von 59,5 Millimeter in einer Entfernung von 10 Metern. Seit 2011 gibt es Laserpistolen und seit 2013 vier Serien. Die erste Schussserie kommt kurz nach dem Start, die nächsten nach 800, 1600 und 2400 Metern des Querfeldeinlaufs. Eine Serie gilt als beendet, wenn entweder fünf Treffer erzielt werden oder 50 Sekunden verstrichen sind. Erst dann darf der Lauf fortgesetzt werden. Eine Zeit von 13:20 Minuten gilt als Richtwert für 500 Punkte. Jede Sekunde darüber oder darunter ergibt einen Punkt mehr oder weniger.

Staffelwettbewerb

Der Staffelbewerb oder Relay hatte 1987 Premiere und wurde bei den Weltmeisterschaften 1989 in Budapest erstmals offiziell ausgetragen. Da ein größerer organisatorischer Aufwand besteht, kommen diese Bewerbe nur bei Welt- und kontinentalen Meisterschaften, den Olympischen Jugend-Sommerspielen und bei großen internationalen Wettkämpfen vor. Staffelwettbewerbe gibt es getrennt für Frauen und Männer als 2er-Staffel und seit 2010 auch als Mixed-Staffel.

Die Staffelwettbewerbe gibt es in der Regel als separate 1-Tages-Wettkämpfe zu Beginn großer Wettbewerbe und es dürfen 24 Teams an den Start gehen.

  • Schwimmen: 2 × 100 Meter Freistil mit fliegendem Start. 250 Punkte für eine Zeit von 2:30 Minuten und pro Sekunde darüber oder darunter drei Punkte mehr oder weniger.
  • Fechten: In der Platzierungsrunde in 2er-Teams, jedes Team gegen jedes Team. Gewertet wird die Summe aller gewonnenen Teamgefechte, 70 Prozent der möglichen Siege geben 250 Punkte. Danach gibt es wie beim Reglement im Einzel die Bonusrunde.
  • Reiten: Es gibt eine Wechselzone innerhalb des Springparcours, die Reiter eines Teams starten nacheinander ohne Zeitverzögerung. Spring- und Zeitfehler werden addiert und von der Maximalpunktzahl von 300 Punkten abgezogen.
  • Combined: Ein Lauf von 2 mal 1600 Metern mit je zwei Schießeinlagen pro Team, eine Gesamtzeit von 13:20 Minuten ergibt 500 Punkte. Jede Sekunde darüber oder darunter gibt einen Punkt mehr oder weniger. Der Start erfolgt mit Handicap, das bedeutet, der Bestplatzierte des punktbesten Team startet zuerst und jenes Staffelteam mit dem Schlussläufer zuerst im Ziel gewinnt.

Mannschaftswettbewerb

Bis 1992 gab es auch einen Mannschaftswettbewerb bei Olympischen Spielen. Hier wurden jedoch nur die Punktzahlen innerhalb des Einzelwettbewerbes der drei zugelassenen Teilnehmer jeder teilnehmenden Nation zusammengezählt. Seit 1996 gibt es diese Wertung bei Olympischen Spielen nicht mehr, sondern nur noch bei Weltmeisterschaften und kontinentalen Meisterschaften.

Winter-Pentathlon

Bei den Olympischen Winterspielen 1948 gab es als winterliche Version des Modernen Fünfkampfs einen Winter-Pentathlon als Demonstrationssportart. Der Bewerb umfasste 10 km Skilanglauf, Pistolenschießen mit 4 mal 5 Schuss auf 25 Meter, Abfahrtslauf, Degenfechten und einen Geländeritt im Schnee. Es blieb aber bei dieser einmaligen Veranstaltung. Das IOC entschied sich für Biathlon als winterlichen Mehrkampf in den Olympischen Spielen.