Regeln Fechten

Fechten war ursprünglich eine Kampftechnik in Form von Duellen und zählt neben Boxen und Ringen zu den ältesten Sportgattungen der Welt. Daher zählt sie auch zu den Gründungssportarten der Olympischen Spiele von Athen in 1896. Degenfechten ist auch eine von fünf Disziplinen des Modernen Fünfkampfs. Die offizielle Wettkampfsprache ist Französisch, da schon 1570 der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechtausdrücke prägte. Viele dieser im Fechtsport verwendeten Ausdrücke sind in alltäglichen Redensarten durchaus geläufig geworden (Finte, Finte parieren, Touché).

Ab dem Spätmittelalter, als auch das Bürgertum Waffen tragen durfte, wurden Blankwaffen mit langer Klinge und ein Handschutz verwendet. Duelle waren ab 1871 in Deutschland verboten, blieben in der deutschen Studentenschaft bis zum heutigen Tage beliebt (Mensur-Fechten). Als Sportart etablierte sich Fechten ab 1862 und schon 1896 fanden die ersten deutschen Meisterschaften statt.

Im heutigen Sportfechten sind Florett, Degen und leichter Säbel im Gebrauch. Gefochten wird auf der Fechtbahn (piste oder planche), wo Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen erlaubt, Seitwärtsbewegungen eingeschränkt sind.

Fechtbahn

Die Fechtbahn ist 14 Meter lang und 1,50 bis 2 Meter breit mit einer Meldeanlage für Trefferanzeigen. Sie besteht aus einem leitenden Material wie Kupferlegierung, Aluminium oder einem Gummigewebe mit leitender Oberfläche. Dies verhindert, dass die elektrische Trefferanzeige Stöße auf den Boden als Treffer registriert. Die Markierungen bezeichnen

  • die Mittellinie
  • zwei Startlinien jeweils 2 Meter von der Mittellinie
  • zwei hintere Grenzlinien jeweils 7 Meter von der Mittellinie
  • die jeweils letzten 2 Meter vor den hinteren Grenzlinien als Farbfläche
  • die jeweiligen Endlinen in oranger Farbe

Elektronische Trefferanzeige

Die elektrische Trefferanzeige wurde 1936 beim Degenfechten, beim Florettfechten 1957 und beim Säbelfechten 1988 eingeführt. Beim Florett und beim Säbel müssen Fechter zur Anzeige für gültige Treffer spezielle elektronische Ausrüstungen tragen.
Florett: E-Weste aus Brokat und Maske mit elektrisch leitendem Maskenlatz
Säbel: E-Weste, E-Handschuh, E-Maske

Gültige Treffer werden durch eine rote oder grüne Lampe auf der Seite des Fechters angezeigt, ein ungültiger Treffer beim Florett durch eine weiße Lampe. Die Lampenanzeigen entstehen durch die Verbindung eines Kabels vom Fechter über Weste und Waffe mit der elektronischen Meldeanlage.

  • Florett: Trefferfläche ist der Rumpf inklusive des Bereichs des Schritts sowie der unter Teil des Latzes der Maske.
  • Degen: Trefferfläche ist der gesamte Körper. Die Spitzenhülse löst bei einem Stoß mit einer Kraft von mehr als 750 Gramm einen Treffer aus.
  • Säbel: Trefferfläche ist der gesamte Rumpf inklusive Kopf und Arme, zusätzlich zählen Hiebe.

Waffengattungen

Für den Fechtsport wurden Florett, Degen und Säbel Ende des 19. Jahrhunderts standardisiert. Heute sind Florett, Degen und leichter Säbel üblich, der sogenannte schwere Säbel ist seit 1955 im Sportbereich verbannt. Florett und Degen sind reine Stichwaffen, der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. 

Florett

Der Begriff Florett bezieht sich auf den Spitzenschutz, französisch „fleur“ (Blume). Die Klinge mit quer-rechteckigem Querschnitt aus federndem Stahl ist maximal 90 Zentimeter lang mit einem beschichteten oder textil umwickelten Metallgriff. Davor befindet sich ein flacher, kugelkappenförmiger Handschutz (Glocke) mit einem Durchmesser von 9,5 bis 12 Zentimetern.

Florettgriff-Arten:

  • Pistolengriff oder belgischer beziehungsweise orthopädischer Griff (orthopädisch, handangepasst)
  • französisch (ein leicht nach innen gebogener Stab)
  • italienisch (ein gerader Stab mit Parierstange, Quart- und Terzbügel)

Heutzutage ist ein belgischer Griff üblich, der italienische Griff ist fast nicht mehr zu finden.

E-Florett

Die Klinge des elektrischen Floretts oder E-Floretts hat eine spezielle 8-Millimeter-Spitze in einer Spitzenhülse. Bei einem Stoß mit etwa 4,9 Newton löst diese über einen Schaltkontakt eine Trefferanzeige aus. Die 2-polige elektrische Leitung läuft in einer Rille an der Unterseite der Klinge durch die Glocke zum Handrücken, weiter durch den Ärmel der Jacke zum Rücken. Hier befindet sich eine Steckverbindung zu einem Kabel über der Bahn, welches auf einer kleinen Trommel per Federkraft aufgerollt und nach hinten zum Melder gespannt ist. Diese Kabelvorrichtung lässt dem Fechter weitestgehende Bewegungsfreiheit. Bei großen internationalen Turnieren und den Olympischen Spielen wird inzwischen kabellos gefochten.

Degen

Traditionell diente der Degen als Duellwaffe. Er hat eine größere, halbkugelförmige Glocke mit etwa 13,5 Zentimeter Durchmesser. Die Klinge ist bis zu 110 Zentimeter lang und hat einen V-förmigen Querschnitt. Ein kleiner Degen oder Kinderdegen ist etwa 90 Zentimeter lang.

Für den Griff eines Degens gibt es

  • den Pistolengriff, auch belgischer oder orthopädischer“ Griff (orthopädisch, handangepasst)
  • den französischen Griff, einen langen glatten Stab)

Säbel

Der Säbel hat eine flache, biegsame Klinge mit rechteckigem Querschnitt und maximal 88 Zentimeter Länge. Die Klinge wird zur Spitze hin schmaler, die Glocke ist anders geformt und halbkugelförmig um die Hand gezogen.

Schutzkleidung

Im Fechtsport ist spezielle Kleidung zum Schutz der Sportler vorgeschrieben. Diese Fechtkleidung besteht aus Dyneema, Baumwolle oder Nylon. Die Zahlenangaben dienen dazu, welche Krafteinwirkung das Material aushält, in Newton pro Quadratzentimeter.

  • Hose (800 N)
  • Jacke mit Fixierung/Klingenfangschutz (800 N)
  • Fechtmaske mit Drahtgitter aus V4A-Stahl (3000 N) und Halsschutz (1600 N)
  • Unterziehweste (Plastron) aus Aramid (800 N)
  • Schuhe
  • Kniestrümpfe
  • Handschuh mit Polsterung für den Waffenarm
  • für Frauen verpflichtend: Brustschutz
  • erlaubt: Tiefschutz (Suspensorium)

Grundregeln

Einzelgefecht

Egal in welcher Disziplin, ein Gefecht geht immer

  • bis zu 5 Treffer bei einer Kampfzeit von 3 Minuten (Rundengefecht), in der Altersklasse der Schüler 4 Treffer
  • oder auf 15 Treffer bei einer Zeit von 9 Minuten (Direktaussscheidung). Hier unterbricht ein Treffer das Gefecht und nach je 3 Minuten gibt es eine Pause von je einer Minute.

Gültige Treffer werden durch die Meldeanzeige auf der jeweiligen Seite des Fechters angezeigt. Ein gültiger Treffer beim Fechten wird als touché bezeichnet. In beiden Gefechtsvarianten gewinnt jener Fechter, der zuerst die nötige Trefferzahl erzielt oder die meisten Treffer bei Ablauf der Kampfzeit hat. Sollte es zu einem Unentschieden kommen, wird die Kampfzeit um eine Minute verlängert und der nächste gültige Treffer entscheidet.

Ein Spezialfall im Degenfechten ist der sogenannte Doppeltreffer. Dabei fällt innerhalb einer einzigen Aktion auf beiden Seiten nahezu zeitgleich ein Treffer (innerhalb von einer fünfundzwanzigstel bis zwanzigstel Sekunde). In diesem Fall werden beide Treffer gewertet“. Jedoch zählen Doppeltreffer bei einem Gleichstand von 4:4 oder 14:14 nicht mehr.

Mannschaftskampf

Eine Mannschaft besteht aus drei Fechtern plus einem Ersatzfechter, der eingewechselt werden kann. Jeder ficht gegen jeden in der gegnerischen Mannschaft, das bedeutet, es finden neun Einzelgefechte mit jeweils maximal drei Minuten statt. Mannschaftskämpfe haben den Stafettenmodus und die Fechter übernehmen den Trefferstand aus dem vorherigen Gefecht.

Im ersten Gefecht wird auf fünf Treffer gefochten, im zweiten auf zehn bis zum letzten Gefecht, wo eine Mannschaft 45 Treffer erreicht hat oder die drei Minuten abgelaufen sind. Bei Gleichstand wird wie im Einzelgefecht verfahren.

Fechtstellung

Die Fechtstellung ist Ausgangsposition für Bewegungen auf der Fechtbahn. Hier zählen die korrekte Stellung der Füße, die Lage des Körperschwerpunktes sowie die Drehung der Schulter und des Beckens. Die Füße stehen zueinander in rechtem Winkel, die Fußspitzen in etwa unterhalb der leicht gebeugten Knie. Beim Florettfechten sind die Knie etwas tiefer gebeugt. Der Abstand zwischen den Fersen beträgt etwa zwei Fußlängen. Der Oberarm auf der Waffenseite ist leicht abgewinkelt, der Unterarm parallel zum Boden. Den Abstand zum Fechtgegner bezeichnet man als Mensur.

Gefechtbeginn

Zu Beginn des Gefechts und nach jedem gültigen Treffer stellen sich die Fechter hinter den roten Startlinien in der Fechtstellung auf. Bei Florettfechten und bei Säbelfechten gilt das sogenannte Angriffsrecht. Das bedeutet, dass der Fechter den Treffer zugezählt erhält, der den Angriff begonnen hat (Initiative). Bei Unterbrechung oder Parade des Angriffs wechselt das Angriffsrecht.

Beim Fechten selbst unterscheidet man Beinaktionen und Klingenaktionen.

Beinaktionen

  • Ausfall: Vorsetzen des vorderen Beines bei Streckung des hinteren Beines
  • Ballestra: Sprung mit folgendem Ausfall
  • Patinando: Schritt vorwärts mit folgendem Ausfall
  • Radoppio: Ausfall mit nachfolgendem Heranziehen des hinteren Beines zum erneuten Ausfall
  • Schritt vorwärts und rückwärts
  • Doppelschritt vorwärts und rückwärts
  • Sprung
  • Flèche (französisch Pfeil, Geschoss): Sturzangriff, wobei der Angreifer auf den Gegner zuläuft (im Säbel nicht zugelassen)
  • Kreuzschritt vorwärts und rückwärts (im Säbel nicht zugelassen)

Klingenaktionen

  • Arretstoß: Zwischenstoß in einen gegnerischen Angriff
  • Battuta: Klingenschlag zu Abwehr oder Angriffsvorbereitung
  • Bindung: Fixieren der gegnerischen Klinge durch die eigene
  • Cavation: kreisförmige Umgehung der gegnerischen Klinge
  • Coupé: plötzliches Zurückziehen der eigenen Klinge und fallender Stoß
  • Filo: Angriff entlang der gegnerischen Klinge
  • Finte: Scheinangriff
  • gerader Stoß
  • Konterparade mit Konterriposte: eine Riposte wird pariert, es folgt ein Gegenstoß
  • Ligade Streichfinte
  • Parade mit Riposte: Verteidigung mit unmittelbar folgendem Gegenstoß
  • Riposte: ein unmittelbarer Gegenangriff aus dem erfolgreichen Parieren heraus
  • Sperrstoß: Angriffstoß bei gleichzeitiger Bindung der gegnerischen Klinge
  • Transportbindung: Bindung der gegnerischen Klinge, Transportbewegung in eine andere Position
  • Bingo (schnelle Bewegung in Richtung Trefferfläche des Gegners, Abstoppen und Ausnutzen des Nachschwingeffekts der Klinge, um schwer zu erreichende Ziele zu treffen

Eine Klingenbewegung wie die Sforza oder Schleuderfilo, welche die Klinge aus der Hand des Gegners katapultiert, ist heutzutage nicht mehr gestattet.

Die Dauer zur Ausführung einer einfachen Bein- oder Klingenaktion wird als Tempo oder Fechttempo bezeichnet. Zusammengesetzte Aktionen sind jene, die mehr als ein Tempo benötigen, wie etwa Schritt vorwärts und Ausfall.

Regelverstöße

Im Fechtsport ist es auch wichtig, die Regelverstöße und dessen Ahndung zu kennen. Der Obmann kann durch 3 unterschiedliche Karten Regelverstöße verwarnen und sanktionieren.

  • Verwarnung: Gelbe Karte
  • Straftreffer: Rote Karte; der Gegner bekommt einen Treffer zugesprochen
  • Disqualifikation: Schwarze Karte; Ausschluss vom Wettkampf und eine Sperre von mindestens zwei Monaten

Zusätzlich werden die Verstöße in vier Gruppen eingeteilt.

1. Gruppe – Verwarnungen und Straftreffer:

  • das Verlassen der Fechtbahn
  • Ungehorsam
  • dem Gegner den Rücken zuwenden
  • das Aufsetzen der Waffe auf die Planche, um die Klinge gerade zu biegen
  • das Anfassen von elektronischen Teilen
  • das Abdecken der gültigen Trefferfläche

Zunächst gibt es die gelbe Karte, bei wiederholten Vergehen die rote Karte.

2. Gruppe – absichtliche Regelverstöße:

  • das Fehlen des Namens auf dem Rücken
  • das Fehlen der Kontrollmarke
  • Vortäuschung einer Verletzung, um eine Pause zu erhalten

Der erste und der zweite Verstoß werden jeweils mit roter Karte bestraft.

3. Gruppe – schwerwiegende Vergehen

Hier gibt es, wie in Gruppe 2, beim ersten Vergehen einen Straftreffer, bei weiteren Vergehen die Disqualifikation. Die Disqualifikation droht bei:

  • unfairem Kampf
  • Verstoß gegen die Werbevorschrift
  • Ordnungsstörung auf der Bahn

4. Gruppe – sofortige Disqualifikation

Das bedeutet, der Gegner hat automatisch gewonnen bei

  • Doping
  • Brutalität
  • Verweigerung des Fechtergrußes (vor oder nach dem Gefecht)
  • Verwendung von Kommunikationsmitteln und Anweisungen vom Trainer während des Gefechts

Fechten als olympische Disziplin

Als Gründungssportart in 1896 gab es Bewerbe in Säbel, Florett und Florett für Fechtmeister. Degenfechten kam 1900, Mannschaftsfechten und erstmals Damen-Fechten in 1920 dazu. Da die Anzahl der Fechtwettbewerbe bei den Olympischen Spielen auf zehn beschränkt bleibt, pausieren abwechselnd jeweils zwei der sechs Mannschaftswettbewerbe, Damenflorett und Damensäbel nicht ausgetragen.[1] 2008 mussten die Mannschaften im Herrenflorett und Damendegen, Herrendegen und Herrensäbel. Ab den Olympischen Spielen 2020 in Tokio werden erstmals alle 12 Disziplinen vertreten sein, das Pausieren fällt weg.

Rollstuhlfechten

Rollstuhlfechten gab es schon 1960 bei den ersten offiziellen Paralympischen Spielen, es zählt also zu den ältesten paralympischen Sportarten. Die Rollstuhlfechter bewegen sich nicht über die Fechtbahn, sondern die Rollstühle werden in einem Gestell fixiert. Das Gestell besteht aus Schienen oder Plattformen, auf denen die Fechter fahren. Der Abstand zwischen den Fechtern wird aufgrund der Armlänge bestimmt. Die Regeln des Rollstuhlfechtens entsprechen größtenteils jenen des Fechtsports.

Historisches Fechten

Historisches Fechten nutzt anders als modernes Sportfechten die früheren Stile der Renaissance und des Mittelalters. Es wird versucht, diese Stile möglichst originalgetreu nachzustellen.