Ultimate Frisbee Regeln

Es gibt wohl kaum Menschen in Deutschland, die noch nie mit einem Frisbee gespielt haben. Ultimate Frisbee, um 1960 von amerikanischen Studenten erfunden, erfreut sich in mehr als 40 Ländern großer Beliebtheit, vorwiegend jedoch in den USA und in Kanada. Das Spiel zählt zu den Flying-Disc-Sportarten, zu denen auch Disziplinen wie Discgolf oder Freestyle gehören. Die Erfinder von übernahmen Spielelemente der amerikanischen Volkssportarten Basketball und American Football. 1978 wurden die ersten, auch heute noch allgemeingültigen Regeln aufgestellt. International wird nach den Regeln des Welt-Frisbeesport-Verbandes World Flying Disc Federation (WFDF) in der aktuellen Version von 2017 gespielt. In den USA gelten die Regeln des Ultimate-Verbandes (USA Ultimate), die sich jedoch nur wenig vom WFDF Regelwerk unterscheiden.

Als Breitensport ist Ultimate Frisbee in Deutschland noch im Wachsen begriffen, es gibt aber bereits mehrere Dutzend Vereine. Der Deutsche Frisbeesport-Verband (DFV) mit Sitz in Köln dient als gemeinsamer Fachverband für alle Frisbeesportarten in Deutschland. Seit 1983 finden Weltmeisterschaften der Nationalmannschaften statt, seit 1989 Weltmeisterschaften der Vereinsmannschaften.

Ultimate Frisbee ist ein wettkampforientiertes, weitgehend berührungsloses Laufspiel, das im Freien und auch in einer Halle gespielt werden kann. Hier stehen sich zwei Teams mit jeweils sieben Spielern auf einem Spielfeld mit sogenannten Endzonen an dessen langen Enden gegenüber. Ziel des Spieles ist es, den Frisbee rein durch Zupassen in die gegnerische Endzone zu bringen und so einen Punkt zu erzielen.

Was das Spiel besonders macht ist die Tatsache, dass es ohne Schiedsrichter auskommt. Ultimate Frisbee vertraut auf den Sportsgeist des Einzelnen („Spirit of the Game“) und stellt den gegenseitigen Respekt der Spieler und die Freude am Spiel in den Vordergrund. Da wohl kein Spieler die Regeln absichtlich verletzt, sind Kontrolle oder Sanktionen unnötig.

Inhalt und Gestaltung – Ultimate Frisbee

Ultimate Frisbee wird meist auf Rasenflächen gespielt. Das Spielfeld ist üblicherweise ein 100 Meter (110 Yards) langes und 37 Meter (40 Yards) breites Rechteck mit dem Hauptspielfeld von 64 Metern (70 Yards) Länge mit einer Endzone an jedem Ende von je 18 Metern (20 Yards) Länge. Die Spielfeldgröße darf jedoch dem verfügbaren Platz oder der Spielerzahl angepasst werden. Ein Spielfeld in Deutschland hat meist die Länge und die halbe Breite eines Fußballfeldes. Die Grundlinie trennt das Hauptspielfeld von den Endzonen und die Begrenzungslinien gehören bereits mit zum „Aus“.

Die Kunststoffwurfscheibe (Frisbee) ist etwa 175 Gramm schwer. Es spielen zwei Mannschaften mit je sieben Spielern gegeneinander. Nach jedem Punktgewinn darf eine beliebige Anzahl von Spielern ausgewechselt werden. Daher bestehen Mannschaften oft aus bis zu 15 Personen. Für Bewerbe und Divisionen gibt es Altersabstufungen für Teams, Divisionen für Frauen und für Männer oder auch gemischte Teams (Mixed-Division). Das Ziel des Spiels ist in jedem Fall, die von einem Mitspieler geworfene Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen. Dafür erhält die Mannschaft des Fängers einen Punkt.

Obwohl das Spiel sehr laufintensiv ist, darf sich der Spieler mit der Scheibe nicht von der Stelle bewegen. Die angreifende Mannschaft versucht, sich Freiräume für Pässe zu erlaufen. Die Verteidiger versuchen, durch Decken und Blocken den Frisbee in die Hände zu bekommen. Anders als bei Basketball oder American Football bedeutet jedoch jeglicher Körperkontakt ein Foul. Dennoch gibt es keinen Schiedsrichter, alle Entscheidungen werden von den Spielern selbst auf dem Feld getroffen.

Spielbeginn und Spielregeln

Bei Spielbeginn stehen sich die Mannschaften an den Grundlinien gegenüber. Der Anwurf oder „Pull“ kommt von der verteidigenden Mannschaft, welche die Scheibe zur angreifenden Mannschaft wirft. Danach dürfen sich die Spieler frei auf dem Spielfeld positionieren. Die angreifende Mannschaft fängt den Anwurf oder nimmt die Scheibe vom Boden auf und beginnt mit dem Spiel.

Die Scheibe darf in beliebiger Richtung zu jedem Mannschaftsmitglied gespielt werden. Während alle anderen Spieler sich frei bewegen dürfen, muss die Person in Scheibenbesitz sofort stehen bleiben um den Frisbee weiterzuspielen. Erlaubt ist ihr nur ein Sternschritt wie beim Basketball: Ein Fuß muss dabei fest am Boden bleiben. Der Spieler mit der Scheibe (Werfer) hat zehn Sekunden Zeit zu werfen. Der direkte Verteidiger des Werfers (Marker) zählt im Sekundentakt bis 10 (Stall Count). Dieser beginnt, sobald er sich in einem Umkreis von 3 Metern um den Werfer befindet. Versäumt ein Spieler den Stall Count, darf der Werfer die Scheibe länger als zehn Sekunden behalten.

  • Landet ein Pass auf dem Boden, im Aus oder wird von der gegnerischen Mannschaft abgefangen, wechselt der Scheibenbesitz („Turnover“), und das andere Team greift sofort an.
  • Ein Punktegewinn erfolgt, wenn ein Spieler die Scheibe nach einem Pass innerhalb der angegriffenen Endzone fängt. Die neuesten WFDF-Regeln erlauben auch einen sogenannten Callahan-Punkt, wenn die verteidigende Mannschaft die Scheibe innerhalb ihrer Endzone abfangen kann.
  • Jedem Punkt folgt ein Seitenwechsel und ein neuer Anwurf durch die Mannschaft, die den Punkt gewonnen hat. Nach jedem Punkt dürfen beliebig viele Spieler auswechseln.
  • Es gibt zwei Spielhälften, die durch 7 Minuten Pause getrennt sind. Die Halbzeit ist erreicht, wenn eine Mannschaft 8 Punkte gewonnen hat. Ein Spiel endet, wenn eine Mannschaft 13, 15 oder 17 Punkte erreicht hat. Dazu gibt es ein Zeitlimit von 100 Minuten.

Selbstverwaltung der Spieler und Regelverstöße

Ultimate Frisbee ist der einzige selbstregulierte Teamsport der Welt. Generell fördert die Selbstverwaltung der Spieler die Fairness und das Spiel funktioniert auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit.

Jede Körperberührung gilt als Foul gewertet, wenn sie nicht beiläufig im Spielverlauf passiert. Beiläufig bedeutet, dass sie das Spielgeschehen nicht beeinflussen darf. Der gefoulte Spieler zeigt das Foul selbst an, indem er „Foul“ ruft. Dabei wird der Spielfluss eingefroren („Freeze“), alle Spieler müssen stehen bleiben. Wenn der unmittelbar beteiligte Gegenspieler das Foul anerkennt, behält der gefoulte Spieler die Scheibe und das Spiel wird fortgesetzt. Ist der foulende Spieler nicht einverstanden (ein sogenannter Contest), so wird der letzte Pass wiederholt. Verliert die angreifende Mannschaft die Scheibe durch ein Foul der Verteidiger, so bleibt sie weiterhin in Scheibenbesitz.

Andere Regelverletzungen können sein

  • Pick: Behinderung der Verteidigung durch einen anderen Spieler oder Sichtbehinderung
  • Strip: Aus-der-Hand-schlagen des noch nicht geworfenen oder bereits gefangenen Frisbees
  • Fast Count: Der verteidigende Spieler zählt den Werfer zu schnell aus
  • Aus: Das Fangen einer Scheibe im „Aus“-Bereich
    Um letzteres zu verhindern, ist ein sogenanntes „Travel“-Manöver wie beim Basketball erlaubt, wo es ein Spieler schafft es, im Sprung den fliegenden Frisbee vom Ausbereich wieder ins Feld zu befördern.

Ultimate Frisbee Varianten

Indoor
Ultimate Frisbee wird im Winter in der Halle auf Handball- oder Basketballfeldern gespielt. Daher muss unter anderem die Spielfeldgröße und die Spieleranzahl entsprechend angepasst werden. Es spielen 5 gegen 5 und der Stall Count ist auf 8 reduziert. In Deutschland gibt es sogar getrennte Outdoor- und Indoormeisterschaften.

Beach Ultimate
Auf Sand spielen 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 auf einem kleineren Feld mit 75 Metern Länge und 25 Metern Breite mit zwei Endzonen von jeweils 15 Metern Länge. Seit 2001 gibt es die Beach Ultimate Lovers Association (BULA) für die Belange des Beach Ultimate und die BULA-Regeln. Seit dem ersten internationalen Turnier in Portugal 2004 werden eigene Beach-Ultimate-Weltmeisterschaften ausgetragen. Die Weltmeisterschaften sowie die Europameisterschaften finden im Vier-Jahres-Turnus statt.

Vorteile

  • Das Spielgerät Frisbee ist preisgünstig, es ist auch keine spezielle Kleidung notwendig.
  • Jedes Fussballfeld lässt sich sofort als Outdoor Ultimate Frisbee Spielfeld nutzen.
  • In der Halle lassen sich die Handball- oder Basketballfelder nutzen.
  • Die Spieltechnik und die Spielregeln sind leicht erlernbar.
  • Ultimate Frisbee eignet sich für alle Altersstufen.
  • Es ist kein körperbetontes Spiel, die Gefahr von Verletzungen ist also geringer als bei anderen Mannschaftssportarten.
  • Die Selbstverwaltung bei Regelverstößen kann Kindern Verantwortung lehren.

Nachteile

  • Für Ultimate Frisbee sind viele Mitspieler zum Bilden von Teams nötig.
  • Es ist gute körperliche Kondition nötig, da viel gelaufen wird.
  • Die Selbstverwaltung verlangt Spielern Disziplin ab.
  • Um Ultimate Frisbee ernsthaft zu betreiben, muss man sich einem Sportverein oder einer Liga anschließen.

Fazit

Ultimate Frisbee ist eine schnell erlernbare Sportart. Sie kann auf so gut wie allen Spielfeldern und am Rasen, in einer Halle und am Strand gespielt werden. Diese Sportart hält auch fit, da sehr viel gelaufen werden muss. Diese Sportart lässt sich recht einfach und kostengünstig als reines Freizeitvergnügen betreiben. Zum Trainieren oder für Beteiligung an Turnieren muss man sich jedoch einem Sportverein oder einer Liga anschließen.