Regeln Pferderennen

Der Pferderennsport gehört zu den ältesten Pferdesportarten der Welt, wo Pferde so schnell wie möglich eine bestimmte Strecke zurücklegen. Pferderennen lassen sich in verschieden antiken Kulturen nachweisen, wie etwa in Griechenland, Babylonien, Syrien und Ägypten. In Aufzeichnungen aus dem antiken China und auch in den nordischen Sagas werden Pferderennen beschrieben. Auch für die Araber zählen Pferderennen über größere Distanzen zur Tradition. Daher zeichnen sich arabische Pferde nach wie vor durch besondere Ausdauer aus und sind im Distanzsport gefragt.

Der Zweck von Pferderennen war in der Vergangenheit vor allem die Zuchtauslese. Einige Pferderassen wie etwa das Englische Vollblut oder die Traber sind Erfordernissen der Rennbahn angepasst. Im Zuchtausleseprozess für Pferderennen zählen Leistungsmerkmale, die bei anderen Pferderassen ebenfalls gefragt sind. Rennpferde zeichnen sich durch ideales Erscheinungsbild, robuste Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und optimalen Bewegungsablauf aus.

Pferdewetten

Heutzutage gehören Pferderennen hauptsächlich zur Freizeitbeschäftigung. Als Publikum oder zum Zweck einer Wette kann jeder an einer Pferderennen-Veranstaltung teilnehmen. In der Tat ist es ein Großteil der Veranstaltungskosten und Preise, welcher durch die Wetteinnahmen im Pferderennsport getragen wird. Besonders bei Galopprennen und Trabrennen wird viel gewettet, direkt am Schauplatz oder über Buchmacher.

Vier Grundwettarten sind bei den meisten Pferderennen üblich. Man wettet auf

  • Sieg: den Sieger des Rennens
  • Platz: das Pferd muss Erster, Zweiter oder Dritter werden, sind es weniger als sieben Starter Erster oder Zweiter
  • Zweierwette: gewettet wird auf die richtige Reihenfolge der Pferde auf Platz 1 und 2
  • Dreierwette: gewettet wird auf die ersten drei Plätze müssen in richtiger Reihenfolge

Besitzergemeinschaften

Schon im antiken Römischen Reich waren Pferderennen jedoch auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. In Europa lassen sich Hinweise auf Pferdewetten zum Jahr 1522 zurückdatieren. Die Bezeichnung Jockey für Rennreiter kommt ab etwa 1660 in Gebrauch. Die ersten Pferderennen, die außerhalb adliger Kreise dem heutigen Muster entsprechen, gab es im 18. Jahrhundert. Im Jahre 1633 fand erstmals das Rennen Palio di Siena statt, das auch noch heute in derselben Form ausgetragen wird.

Früher war die Teilnahme an Pferderennen als Pferdezüchter ausschließlich den adligen Kreisen und Superreichen vorbehalten. Nun gibt es neue Formen im Rennstallbetrieb, die der Allgemeinheit die Teilnahme ermöglichen. Der Unterhalt für ein Rennpferd ist teuer und ebenso die laufenden Trainingskosten. Auch besteht ständig ein Risiko, dass Rennpferde durch Verletzungen früh aus dem Rennbetrieb ausscheiden müssen. Vermehrt finden sich daher Besitzergemeinschaften im Rennbetrieb. Diese sind eine Art Verein, dessen alleiniger Zweck der Unterhalt eines oder mehrerer Rennpferde darstellt.

Arten von Pferderennen

Pferderennen finden heutzutage in Stadien mit überdachter Tribüne statt und auf unterschiedlichem Geläuf. Geläuf im Galopprennsport ist der Boden, auf welchem die Pferde laufen. Dies kann eine Grasbahn (Turf) oder Sandbahn (Dirt Track) sein. Trabrennbahnen weisen Bahnlängen von etwa 1000, Galopprennbahnen 1800 bis 2900 Meter auf. Für Pferderennen gibt es auch die Bezeichnung Derby und für Pferderennbahnen verwenden viele auch allgemein die Bezeichnung Turf.

Um die massiven, 4 bis 13 Hektar großen Innenflächen einer Rennbahn abseits der Rennsportveranstaltungen zu nutzen, gibt es dort häufig Cross- oder Swingolfspiele.

Galopprennsport

In Deutschland gibt es 47 Galopprennbahnen, die größten sind in Baden-Baden und in Berlin. Galopp ist die schnellste Gangart eines Pferdes, jedoch sind bei Galopprennen grundsätzlich alle Gangarten erlaubt. In diesen Rennen finden sich hauptsächlich Englische Vollblutpferde, aber auch Arabische Vollblüter, Halbblüter und auch Ponys. Als Reiter agieren entweder die Berufsrennreiter (Jockeys) oder Amateure. Galopp-Rennen werden als Flach- oder Hindernisrennen ausgetragen.

Flachrennen
Bei Flachrennen ist eine bestimmte Distanz möglichst rasch zu bewältigen. Vielfach gleicht man die Gewinnchancen der Pferde aus, indem die besseren Pferde ein Handicap beziehungsweise ein zu tragendes Mehrgewicht durch Bleidecken aufbürdet.

  • Aufgewichtsrennen – Zusatzgewichte aufgrund Alter und Geschlecht des Pferdes
  • Ausgleichrennen (Handicaps) – Zusatzgewichte auf Basis vorheriger Leistungen
  • Gruppenrennen – international klassifizierte Aufgewichtsrennen in mehreren Gruppen
  • Listenrennen – international überwachte Aufgewichtsrennen und Zuchtrennen
  • Zuchtrennen – es treten Pferde aus demselben Jahrgang gegeneinander an
  • Klassisches Rennen – ein Zuchtrennen, bei welchem alle Pferde 3 Jahre alt sind

Hindernisrennen
Bei den Hindernis-Rennen unterscheidet man

  • Hürdenrennen – einen Kurs mit niedrigen Hindernissen, die etwa 1,10 Meter hoch und 1,20 Meter breit)
  • Jagdrennen (Steeple-chases) – ein Rennen über längere Distanzen, mindestens 3000 Meter, und über variantenreiche Hindernisse, wie etwa Open-Ditch, Bullfinch oder Wassergraben
  • Seejagdrennen – die Kursführung erfordert die Durchquerung eines Sees
  • Cross-Countries – ein Rennen im Gelände mit Naturhindernissen wie etwa Erdwällen

Sowohl Flach- als auch Hindernisrennen kommen in folgenden Formen vor:

  • Verkaufsrennen – die teilnehmenden Pferde stehen zum Verkauf
  • Stutenrennen – es treten ausschließlich Stuten an
  • Halbblutrennen – es treten ausschließlich Pferde an, die keine reinen Vollblüter sind

Ausrüstung

Bei Pferderennen soll die Ausrüstung besonders leicht sein.

  • Die Jockeys tragen spezielle, besonders leichte Rennstiefel und Rennhosen, einen Renndress und einen Kappenüberzug über dem Jockeyhelm in der Farben des jeweiligen Rennstalls.
  • Die Rennsättel sind klein und leicht und geben dem Pferd viel Bewegungsfreiheit für eine hohe Geschwindigkeit. Beim Rennsitz liegt der Schwerpunkt des Reiters weit vorne durch Vorbeugen in der Hocke. Der Sattel kann unter 150 Gramm, mit Gurt, Steigbügelriemen und Steigbügeln etwa 250 Gramm wiegen.
  • Auch die Renntrensen sind leichter als normales Zaumzeug und haben oft auch Nasenschoner oder Bodenblenden.
  • Der leichte Rennbeschlag besteht aus Aluminium-Hufeisen.

Galopprennen-Ablauf

Vor einem Rennen müssen sich die Jockeys mit dem Sattel und der Satteldecke wiegen lassen. Das Gewicht muss jenem entsprechen, das im Rennen vorgeschriebenen ist. Vor dem Start vieler Pferderennen gibt es überdies den sogenannten Aufgalopp, wo die Rennpferde im ruhigen Tempo zur Startmaschine laufen. Der Aufgalopp dient zum Aufwärmen der Pferde und zur Einstimmung der Zuschauer auf das Rennen.

Der Start

Der Galopp-Rennsport kennt zwei Startmethoden vor:

  • Start aus dem Band: Maximal 20 Pferde stellen sich hinter einem über die ganze Bahn gespannten elastischen Band auf. Wird dieses Band losgelassen, können die Pferde starten.
  • Startboxen: Die Pferde warten in sogenannten Startboxen, bei welchen sich die Türen vorne gleichzeitig öffnen. Diese Methode kommt ausschließlich bei Flachrennen vor.

Renntaktik

Jockeys können im Galopprennen je nach Stärken ihrer Pferde zwei Taktiken anwenden.

  • Das Rennen von der Spitze aus: Vom Rennbeginn an die Führung erreichen und bis zum Ziel halten.
  • Das Rennen auf Warten: Das Pferd im Feld zurückhalten und schonen, bei der richtigen Gelegenheit attackieren und am Schluss volle Geschwindigkeit geben

Zieleinlauf

Die Pferde passieren den Zielpfosten und es wird ein Zielfoto gemacht. Dieses hilft bei der Entscheidung, wenn der Sieger des Rennens umstritten ist. Sollte der Sieger zweifellos feststehen, gibt der Zielrichter das Klassement bekannt.
Zu Verzögerungen kommt es, wenn Pferde gleichzeitig den Zielpfosten passiert haben und das Zielfoto entscheidet. Sollte auch dieses Foto nicht helfen, ist es ein sogenanntes Totes Rennen mit Pferden auf demselben Rang.

Auch wenn ein Jockey oder Trainer protestiert, betrachtet der Zielrichter vor Bekanntgabe des Klassements den Film des Rennens und die Rennleitung entscheidet über die Gültigkeit der Vorwürfe.

Es kann auch der Fall eintreten, dass über den regulären Ablauf des Rennverlaufs oder über das Verhalten eines Pferdes Zweifel bestehen. In diesen Fällen kann die Rennleitung eine Untersuchung anordnen.

Trabrennsport

Bei Trabrennen sitzen die Jockeys nicht auf dem Pferd, sondern in einem zweirädrigen Wagen (Sulky) und steuert das Pferd von hinten. Trabrennläufe werden auf Gras- oder Sandböden ausgetragen. Im Trabrennsport ist nur die Gangart Trab erlaubt. Sollten Pferde in Galopp verfallen, werden sie in Europa disqualifiziert. Bei Trabrennen in den USA führt ein unreiner Gang oder ein Einspringen (Verfallen in Galopp) zu einem Zurückstufen für einen Platz.

Weitere Strafmaßnahmen drohen bei

  • unkorrektem Fahren beim Einlauf
  • häufigem Benutzen der Peitsche
  • Behinderung eines Konkurrenten
  • Vorschriftswidrigem Erstatten einer Beschwerde

All diese Möglichkeiten einer Änderung des Klassements bedeuten einen zusätzlichen Risikofaktor für all jene, die gerne auf Pferde wetten. Vielfach werden gerade bei Trabrennen die vorläufigen Rennergebnisse im Nachhinein noch korrigiert werden.

Handicaps und Distanzen

Wie es auch bei den Galopprennen üblich ist, gibt es Handicaps für Traberpferde, jedoch nicht mit Gewichten, sondern in Form eines Distanzausgleiches. Favoriten eines Trabrennens müssen entweder aus der zweiten Startreihe oder von den ungünstigen Außenbahnen starten.

Die Streckenlängen bei Trabrennen schwanken zwischen 1.600 und 2.300 Metern. Dabei wird zwischen Flieger-, Meiler- und Steherrennen unterschieden. Die Fliegerdistanz beträgt 1.600 bis1.750 Meter, die Mittel- oder Meilerdistanz 1.900 bis 2.100 Meter und die Steherdistanz 2.500 bis 2.600 Meter. Die meisten Trabrennen finden über die Mitteldistanz statt.

Startmethoden

Beim Trabrennen gibt es den Auto- oder den Bänderstart. Beim Autostart fährt ein Auto vor den Pferden mit ausgeklappten Gittern. Das Rennen ist freigegeben, wenn der Wagen beschleunigt und die Gitter einklappt. Der Bänderstart erfolgt hinter einem über die ganze Bahn gespannten elastischen Band. Wird das Band losgelassen, können die Pferde starten. Der Bänderstart garantiert im Gegensatz zum Autostart auch genaue Startplätze.

Skikjöring

Beim Skikjöring wird ein Skifahrer von einem reiterlosen Pferd über eine Piste aus Schnee und Eis gezogen und kann dabei bis zu 55 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Ausrüstung dazu besteht aus Brustblattgeschirr für das Pferd mit Zugsträngen, verbunden mit dem Sicherheitsgurt des Fahrers. Die Leinenführung ist über einen Bauchgurt mit Leinenführungsringen sichergestellt. Der Fahrer hat die Hände für die Leinen frei und kann im Notfall die Zugverbindung zum Pferd lösen. Zusätzlich tragen die Fahrer Schutzausrüstung ähnlich jener von Eishockeyspielern.

Skijöring

Beim Skijöring sitzt zusätzlich ein Reiter auf dem Zugpferd und die Skifahrer halten sich an einem Bügel ähnlich wie beim Wasserskifahren fest. Auch Snowboarder können so an einem Rennen teilnehmen.

Offroad-Kjöring

Seit 1997 gibt es die Sportart Offroad-Kjöring für Inline Skater mit speziellen Offroad-Rollerblades, die von Springpferden gezogen werden. Ein Parcours mit Sprüngen muss in dieser Sportart überwunden werden.

Töltrennen

Töltrennen gibt es meist ausschließlich für Islandpferde, da sie diese Spezialgangart und auch den Pass natürlich beherrschen. Beim Töltrennen ist nur die Gangart Tölt, eine Viertaktgangart in acht Phasen, erlaubt. Nur korrekt laufende Pferde werden gewertet, die anderen disqualifiziert.

Passrennen

Hier ist nur die Gangart Rennpass erlaubt: Die Pferdebeine berühren nicht wie im Trab diagonal, sondern in einer Linie den Boden.

Barrel Race

Im Western-Reiten kommt die Disziplin Barrel Race vor. Hier müssen drei Ölfässer möglichst schnell umrundet werden. Barrel Race ist eine Spezialität der Quarter Horses.

Palio von Siena

Eines der berühmtesten und umstrittensten Pferderennen abseits einer speziellen Pferderennbahn ist das Palio di Siena.Der Ursprung liegt in einem Wettstreit der Bewohner konkurrierender Stadtteile von Siena. Der Palio hat eine traditionell-volksfestartige und touristische Bedeutung, wo auch ein reiterloses Pferd Sieger werden kann. Zu keinem Zeitpunkt diente er der pferdesportlichen Zuchtauslese.