Regeländerungen im Fußball: von 1863 bis VAR, Verlängerung und Elfmeter
Die Fußballregeln haben sich seit dem ersten Regelwerk der englischen Football Association von 1863 stark verändert: Die Abseitsregel wurde mehrfach gelockert, Auswechslungen gibt es erst seit den 1960er Jahren, das Elfmeterschießen seit 1970 und den Video-Assistenten seit 2017. Hier zeigen wir die wichtigsten Regeländerungen in zeitlicher Reihenfolge und erklären, wie Verlängerung und Elfmeterschießen heute geregelt sind.
Stand · Redaktionell geprüft ·

| Erstes Regelwerk | 1863, Football Association (England) |
|---|---|
| Regelhüter heute | International Football Association Board (IFAB) |
| Größte Änderungen | Abseits, Auswechslungen, Elfmeterschießen, Rückpassregel, VAR |
| Spielart | Sportspiel, Mannschaftssport |


Die wichtigsten Regeländerungen im Überblick
Diese Zeitleiste fasst zusammen, wann zentrale Regeln eingeführt oder geändert wurden:
| Jahr | Regeländerung |
|---|---|
| 1848 | Studenten in Cambridge schreiben erste gemeinsame Fußballregeln auf (Cambridge Rules). |
| 1863 | Gründung der Football Association und erstes offizielles Regelwerk. |
| 1874 | Konrad Koch veröffentlicht in Braunschweig die ersten deutschen Fußballregeln. |
| 1886 | Gründung des IFAB, das bis heute über die Fußballregeln entscheidet. |
| 1925 | Abseits: Statt drei reichen zwei Gegenspieler zwischen Angreifer und Torlinie. |
| 1970 | Gelbe und Rote Karten bei der WM in Mexiko; erstmals Auswechslungen bei einer WM; das IFAB führt das Elfmeterschießen ein. |
| 1990 | Abseits: Auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Verteidiger ist kein Abseits mehr. |
| 1992 | Rückpassregel: Der Torwart darf einen absichtlichen Rückpass mit dem Fuß nicht mehr mit der Hand aufnehmen. |
| 1993 | Golden Goal: Das erste Tor in der Verlängerung entscheidet das Spiel. |
| 2004 | Golden und Silver Goal werden wieder abgeschafft. |
| 2012 | Torlinientechnik wird zugelassen. |
| 2017/18 | Video-Assistent (VAR) in der Bundesliga, seit 2018 Teil der Fußballregeln. |
| 2020/2022 | Fünf Auswechslungen, zunächst übergangsweise, seit 2022 dauerhaft möglich. |
Wie das Regelwerk entstand
Gegen Bälle getreten wurde schon in der Antike, doch feste Regeln entstanden erst im 19. Jahrhundert an englischen Schulen und Universitäten. 1848 schrieben Studenten in Cambridge gemeinsame Regeln auf, und mit der Gründung der Football Association am 26. Oktober 1863 entstand das erste offizielle Regelwerk. Deshalb gilt England als Mutterland des Fußballs. In Deutschland etablierte der Braunschweiger Lehrer Konrad Koch das Spiel und schrieb 1874 die ersten deutschen Regeln. Heute legt das International Football Association Board, kurz IFAB, die Fußballregeln fest; die FIFA hat dort die Hälfte der Stimmen.
Die Abseitsregel im Wandel
Kaum eine Regel wurde so oft geändert wie das Abseits. Anfangs war jeder Spieler vor dem Ball im Abseits. Später mussten drei Gegenspieler zwischen Angreifer und Torlinie stehen, ab 1925 nur noch zwei. Seit 1990 ist ein Angreifer auf gleicher Höhe mit dem vorletzten Gegenspieler nicht mehr im Abseits. Jede Lockerung sollte mehr Tore ermöglichen und das Spiel offensiver machen.
Auswechslungen: von null auf fünf
Lange durfte überhaupt nicht gewechselt werden; ein verletzter Spieler fehlte seiner Mannschaft einfach. In den 1960er Jahren wurden Auswechslungen eingeführt, bei einer Weltmeisterschaft erstmals 1970. Aus zwei Wechseln wurden später drei, und seit der Corona-Pandemie dürfen Teams fünf Spieler auswechseln, allerdings in höchstens drei Unterbrechungen plus der Halbzeitpause. Seit 2022 ist diese Regel dauerhaft möglich.
Verlängerung und Elfmeterschießen
Seit wann gibt es die Verlängerung?
Eine zusätzliche Spielzeit bei Unentschieden stand schon Ende des 19. Jahrhunderts im Regelwerk der Football Association. Früher wurden unentschiedene Spiele aber oft wiederholt oder sogar per Münzwurf entschieden, etwa im Halbfinale der EM 1968. Heute dauert die Verlängerung zweimal 15 Minuten.
Was kommt nach der Verlängerung?
Steht es nach der Verlängerung immer noch unentschieden, folgt das Elfmeterschießen. Das IFAB hat es 1970 eingeführt, um Münzwurf und Wiederholungsspiele zu ersetzen. Jedes Team schießt zunächst fünf Elfmeter abwechselnd; ist es danach gleich, geht es einzeln weiter, bis ein Team bei gleicher Zahl an Schüssen vorne liegt.
Golden Goal und Silver Goal
Ab 1993 testete die FIFA das Golden Goal: Das erste Tor in der Verlängerung beendete das Spiel sofort. Berühmt ist das Golden Goal von Oliver Bierhoff, mit dem Deutschland 1996 Europameister wurde. Bei der EM 2004 galt das Silver Goal, bei dem nach der ersten Hälfte der Verlängerung Schluss war, wenn ein Team führte. Nach der EM 2004 wurden beide Regeln wieder abgeschafft, seitdem gilt wieder die volle Verlängerung von zweimal 15 Minuten.
Neue Hilfsmittel für Schiedsrichter
Im 21. Jahrhundert kamen vor allem technische Hilfen hinzu, wie man sie aus anderen Sportarten kennt, etwa das Hawk-Eye im Tennis oder den Videobeweis im Basketball. Seit 2012 ist die Torlinientechnik erlaubt; Kameras oder ein Chip im Ball zeigen dem Schiedsrichter in Sekundenbruchteilen an, ob der Ball die Linie überquert hat. In der Bundesliga ist seit der Saison 2017/18 der Video-Assistent im Einsatz. Er greift bei Toren, Elfmetern, Roten Karten und Spielerverwechslungen ein, wenn eine klare Fehlentscheidung vorliegt; der Schiedsrichter kann die Szene dann am Spielfeldrand selbst ansehen.
Wissenswertes zu den Fußballregeln
Trotz aller Änderungen ist der Kern des Spiels seit über 100 Jahren gleich: elf gegen elf, ein Ball, zwei Tore, und nur der Torwart darf den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand spielen. Wie die Fußball-WM organisiert ist, erklären wir unter Regeln der Fußball-WM, die Regeln in der Halle unter Hallenfußball.