Boßeln Regeln: Ablauf, Wertung mit Schoet und Wurftechnik
Boßeln ist ein ostfriesischer Mannschaftssport, bei dem zwei Teams eine Kugel (Kloot) mit möglichst wenigen Würfen über eine Straßenstrecke von 4 bis 6 Kilometern befördern: Geworfen wird abwechselnd von der Stelle, an der die eigene Kugel liegen geblieben ist, und es gewinnt die Mannschaft, die die Ziellinie mit den wenigsten Würfen erreicht.
Stand · Redaktionell geprüft ·
- 4-10 pro Team

| Spieler | 2 Mannschaften mit je 4 bis 10 Werfern |
|---|---|
| Strecke | Straße oder befestigter Weg, 4 bis 6 Kilometer, als Rundkurs oder mit Wendemarke |
| Material | Boßelkugel (Kloot) aus Gummi, Pockholz oder Kunststoff; Holzkloot 58 mm und 475 g, Hollandkugel 65 mm und 300 g |
| Ziel | die Strecke mit möglichst wenigen Würfen bewältigen |
| Herkunft | Ostfriesland und Oldenburg, verwandt mit dem Klootschießen; Verband FKV seit etwa 1900 |
| Spielart | Sportspiel, Wurfsport |

Boßeln Spielablauf in fünf Schritten
So läuft ein Straßenboßeln vom Anwurf bis zur Ziellinie ab:
- Mannschaften und Strecke
Zwei Teams mit gleich vielen Werfern legen Start, Strecke und Ziellinie fest. Beide Teams nutzen dieselbe Straße und werfen im Wechsel.
- Anwurf
Vom Startpunkt wirft der erste Werfer der einen Mannschaft, danach der erste Werfer der anderen. Die Kugel wird aus dem Lauf mit gestrecktem Arm unter der Hüfte geschwungen und losgelassen; ein Wurf über die Schulter ist verboten.
- Anschlusswurf
Der Wurf ist beendet, wenn die Kugel ruhig liegt. Von genau dieser Stelle wirft der nächste Werfer derselben Mannschaft weiter. Liegt die Kugel abseits der Straße, wird sie im rechten Winkel zurück auf die Straße gelegt.
- Reihenfolge
Es wirft immer die Mannschaft zuerst, deren Kugel zurückliegt. Die Werfer wechseln innerhalb des Teams in fester Reihenfolge durch, sodass alle gleich oft werfen.
- Ziel und Wertung
Am Ende der Strecke wird über die Ziellinie geboßelt. Die Mannschaft, die dafür weniger Würfe gebraucht hat, gewinnt; bei Gleichstand entscheidet, wessen Kugel weiter hinter der Linie liegt.
Was ist Boßeln?
Boßeln ist ein Wurfsport aus Norddeutschland, besonders verbreitet in Ostfriesland, Oldenburg und Friesland. Organisiert ist er im Friesischen Klootschießerverband, der seit etwa 1900 besteht. Eng verwandt ist das Klootschießen, bei dem es auf die Weite eines einzelnen Wurfs ankommt. Außerhalb der Vereine ist Boßeln ein beliebter Teil der winterlichen Kohlfahrt, bei der Gruppen mit Bollerwagen über Land ziehen.
Boßeln Regeln im Detail
Das Ziel des Boßelns ist es, eine festgelegte Strecke, üblicherweise von 4 bis 6 Kilometern, mit möglichst wenigen Würfen zu bewältigen. Es kann ein Rundkurs oder eine Strecke mit Wendemarke sein.
Zwei Gruppen mit jeweils 4 bis 10 Teilnehmern treten gegeneinander an. Von einem gewählten Startpunkt aus erfolgt der Anwurf durch den ersten Spieler einer Mannschaft. Danach wirft der erste Spieler der anderen Mannschaft. Jeder Boßler versucht beim Wurf der Kugel die größtmögliche Weite zu erzielen. Der Wurf ist beendet, wenn die Boßelkugel ruhig liegenbleibt. Eine ideale Position ist am Straßenrand, eine weniger ideale im Graben oder im Gebüsch. Der Anschlusswurf des nächsten Boßlers in der Mannschaft erfolgt von diesem Punkt aus.
Liegt die Kugel abseits der Straße oder der Spielstrecke, ändert sich der Abwurfpunkt auf die Straße verlegt - so wollen es die Boßeln-Regeln. Dazu muss man die Kugel im rechten Winkel zurück auf die Straße legen.
Es wirft immer die Mannschaft zuerst, deren Kugel zurückliegt. Am Ende der Strecke wird über eine Ziellinie geboßelt und das Team gewinnt, das dazu die wenigsten Würfe benötigt.
Wie zählt man beim Boßeln?
Beim Straßenboßeln wirft immer die Mannschaft, deren Kugel zurückliegt. Schafft ihr Werfer es nicht, an der Kugel des Gegners vorbeizuwerfen, gewinnt der Gegner einen Schoet, also einen Wurf Vorsprung. Am Ende siegt die Mannschaft mit den meisten Schoet; bei Gleichstand entscheiden die Meter, die eine Kugel weiter liegt. Bei Freizeitturnieren wird oft einfacher gezählt: Es gewinnt, wer für die Strecke die wenigsten Würfe braucht.
Wurftechnik
Beim Boßeln ist die der Strecke entsprechende Wurftechnik wichtig, die jener des Kegelns ähnelt. Den gestreckten Wurfarm nutzt man zum Schwungholen im Laufen von hinten nach vorne geführt, und zwar unter der Hand an der Hüfte vorbei. Die Boßeln-Regeln verbieten ein Heben über die Schulter wie beim Handball. In Wettkämpfen gibt es den Drehwurf oder Rundschlag und den Flüchterschlag.
- Die Technik des Drehwurfs ähnelt dem Diskuswerfen. Hier nimmt der Werfer mit seitlich ausgestrecktem Wurfarm einige Schritte Anlauf, dreht sich einmal um seine eigene Achse und lässt den Kloot dann los.
- Beim Flüchterschlag wird eine kleine Holzrampe an der Abwurfstelle genutzt. Der Werfer nimmt einen längeren Anlauf und bei Absprung auf der Rampe erfolgt ebenfalls eine leichte 90-Grad Drehbewegung, ehe in einer Aufwärtsbewegung die Kugel losgelassen wird. Diese Technik erfordert mehr Übung und Konzentration.
Bei geraden oder übersichtlichen Strecken ist es möglich, einen kräftigen und wuchtigen Wurf mit Anlauf auszuführen. Die Kurventechnik ist ausgefeilter und erfordert einen gefühlvolleren Wurf. In beiden Fällen ist entscheidend, dass der Kloot so weit wie möglich fliegt, ehe er zu liegen kommt.
Auf geraden Strecken mit geeignetem Untergrund können Spitzensportler mit einer Gummikugel Weiten von 200 Metern mit einem Wurf erzielen.
Die Boßelkugel (Kloot)
Gespielt wird mit Gummi-, Pockholz- oder Kunststoffkugeln, die Kloot genannt wird. Diese Kugeln unterscheiden sich in Größe und Gewicht sowohl regional als auch abhängig von der Disziplin und der Altersklasse. Der ostfriesisch-oldenburgische Holzkloot hat einen Durchmesser von 58 Millimetern und wiegt 475 Gramm. Bei internationalen Wettkämpfen wird nach den Boßeln-Regeln für den Feldkampf die sogenannte Hollandkugel mit 65 Millimetern Durchmesser und einem Gewicht von 300 Gramm verwendet.
Boßel-Disziplinen
Boßel-Bewerbe können das ganze Jahr über stattfinden, im Freien oder auch in einer Halle. Traditionell unterscheidet man zwischen Feldkampf und Standkampf, die leicht unterschiedliche Boßeln-Regeln besitzen.
- Im Feldkampf treten zwei Mannschaften gegeneinander auf Feldflur an. Große Feldkämpfe wie der traditionelle Ländervergleich zwischen Ostfriesland und Oldenburg werden ausgetragen, wenn der Boden durchgefroren und sehr hart ist.
Die Einzelvariante des Feldkampfs wird als Werfen mit der Hollandkugel bezeichnet. - Beim Standkampf zählt die Weite eines Wurfes von einem festen Abwurfpunkt aus. Diese Disziplin kann auch auf Sportplätzen oder eigenen Klootschießer-Anlagen ausgetragen werden.
- Beim Weideboßeln wird mit dem Pockholter (Holzkugel) ähnlich wie beim Standkampf im Klootschießen von einem festen Abwurfpunkt auf Weite geworfen. Wie der Name verrät, wurde früher auf Weiden oder Feldern geworfen.
- Das Hallenboßeln dient vorwiegend zur Demonstration der Sportart Boßeln und vor allem in Schulen. Anfänger werden hier mit der Technik und den Bewegungsabläufen des Straßenboßelns vertraut gemacht.
Boßeln in anderen Ländern
Boßeln wird in unterschiedlichen Varianten in vielen Teilen Europas gespielt. Als Hochburg gelten Ostfriesland und weitere friesische und norddeutsche Gegenden sowie die Provinzen Drenthe und Gelderland in den Niederlanden.
- Als Irish Road Bowling wird das Spiel in Irland, in Kanada und den Vereinigten Staaten gespielt.
- In der spanischen Provinz Saragossa ist es als Tiro de bola aragonesa bekannt
- als Bocciaforte, Boccia su Strada, Boccia alla Lunga oder Boccetta su Strada, Ruzzola oder Ruzzolone) in Italien
- als Krugeln in Huttwil im Schweizer Kanton Bern.
Klootschießen
Regionale Unterschiede drücken sich auch in unterschiedlichen Bezeichnungen und ihre Disziplinen aus. In Ostfriesland und Oldenburg wird zwischen dem ursprünglichen Klootschießen auf dem Feld und dem Straßenboßeln unterschieden und es gibt dazu unterschiedliche Kugeln.
In den Niederlanden heißt die Sportart einheitlich Klootschieten. Schleswig-Holstein hat sich entscheiden, damit sowohl die Feld- als auch die Straßendisziplinen so zu benennen.
Das Kloatscheeten ist ein in der Grafschaft Bentheim und in direkt angrenzenden Teilen des Emslands verbreiteter Volkssport. Der Kloat ist eine abgerundete Scheibe, die zwischen 380 und 450 Gramm schwer, 40 bis 45 Millimeter dick und 70 bis 80 Millimeter im Durchmesser ist. In der Mitte befindet sich ein Bleikern. Technik und Wettkampfregeln entsprechen dem Straßenboßeln.
Wissenswertes zum Boßeln
Der ostfriesische Nationalsport Boßeln und das eng verwandte Klootschießen sind Sportarten, die in verschiedenen Teilen Europas gespielt werden. Ziel ist, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu befördern. Ursprünglich ist Boßeln eine Mannschaftssportart, ausgeübt auf freien Flächen wie Feldern und Wiesen, öffentlichen Straßen und befestigten Wegen. Zudem gibt auch eine Version als Einzelsportart, bei der es auf Wurfweite ankommt.
Das Boßeln ist also sehr leicht zu erlernen und auszuüben. Da die Boßeln-Regeln einfach sind, ist diese Sportart in der Familie, im Verein, mit den Kollegen oder im Freundeskreis beliebt. In einigen Gegenden wird diese gesellige Tätigkeit traditionell im Rahmen von Feiern, wie der regionaltypischen Kohlfahrt, ausgeübt.
Ursprung und Verbände
Der Ursprung des Boßelns liegt im Klootschießen. Beim Klootschießen wurden getrocknete Kleiklumpen über ein Feld zum Kräftemessen geworfen. Später dienten dazu mit Blei gefüllte Holzkugeln, was eine spezielle Wurftechnik erforderte. Als sich der Sport vom Feld auf die Straße verlegte und zugleich sich das Spielgerät veränderte, entwickelte sich Boßeln zum Breitensport. Jedoch stellt die Topografie noch immer besondere Anforderungen. In Norddeutschland dominiert beim Straßenboßeln in überwiegend flacher Landschaft eine Variante mit langen Laufstrecken und langgezogenen Kurven. Am Südhang des Wiehengebirges gibt es hingegen Anstiege und Senken und enge Kurven zu bewältigen.
Durch die Gründung des Friesischen Klootschießer-Verbandes (FKV) Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhr Boßeln immer mehr Beachtung und es entwickelten sich vielen Vereine, Boßelklassen und Boßelligen. Dieser friesische Nationalsport ist ein fester Bestandteil, des sportlichen und kulturellen Treibens in Deutschland. Seit 1999 gibt es nationale Meisterschaften. Die 1969 in Holland gegründete International Bowlplaying Association (IBA) richtet seit 1980 alle vier Jahre eine Europameisterschaft aus.