Regeln Bogenschießen

Von einer ursprünglichen Jagdform vor mindestens 14.000 Jahren und einer Fernwaffe hat sich Pfeil und Bogen auch zu einem Sportgerät entwickelt. Ein Zielschießen mit Pfeil und Bogen ist bereits im Sagenkreis um Robin Hood beschrieben. Die älteste europäische Schule des Bogenschießens stammt aus England aus dem Jahr 1545. Im frühen 19. Jahrhundert hatte das Bogenschießen in Brabant (Belgien) den Status eines beliebten Volkssports. In Großbritannien entwickelte sich Bogenschießen ebenfalls zum überaus populären Sport, hauptsächlich für Frauen. In Deutschland setzte es sich zu dieser Zeit jedoch noch nicht als Sportart durch, trotz der deutschen Turnbewegung durch Turnvater Jahn.

Das Bogenschießen zählt zu den Präzisionssportarten und nutzt als Schießsport mit Pfeil und Bogen standardisierte Zielscheiben. Es gehört seit 1972 wieder zu den olympischen Sportarten und war bereits in den Jahren 1900, 1904, 1908 und 1920 im Programm der Olympischen Spiele vertreten. 1904 war es die einzige Sportart, bei welcher auch Frauen teilnehmen durften. Weltmeisterschaften im Bogenschießen werden seit 1931 ausgetragen. Neben dem Sport kommt Bogenschießen auch im meditativen und therapeutischen Bereich vor.

Die Technik des Bogenschießens

Das mechanische Prinzip des Bogenschießens nutzt einen elastischen Stab oder Bogen, der mit einer Bogensehne gespannt wird. Durch Anspannen der Sehne wirkt der Bogen wie eine Feder. Die aufgebaute potenzielle Energie setzt sich beim Lösen der Sehne als kinetische Energie des Pfeils frei. Je stärker daher die Spannkraft des Bogens und je weiter der Auszug der Sehne, desto schneller, weiter, geradliniger und durchschlagender wirkt der Pfeil.

Die Spannkraft des Bogens definiert sich traditionell als Zuggewicht an der Sehne in englischen Pfund (1 englisches Pfund = 0,453 Kilogramm) bei einem Auszug von 28 Zoll (71,12 Zentimeter). Das Zuggewicht von Bögen variiert zwischen wenigen Pfund bei Kinderbögen bis über 60 Pfund (27,22 Kilogramm) bei versierten Schützen.

Je nach Bogenklasse und Verband gibt es Beschränkungen in der Abschussgeschwindigkeit. Bei Feld- und Wald sind es 300 Fuß pro Sekunde, bei World Archery und Target gilt ein Zuggewicht von 60 Pfund.

Besonderes Merkmal des Bogensportes ist es jedoch, durch Ruhe und Konzentration einen immer gleichbleibenden Schussablauf zu erlangen.

Ausrüstung

  • Recurvebögen mit Zielvorrichtungen und Stabilisatoren sind die am weitesten verbreiteten Sportgeräte im Bogensport. Dieses technologisch hoch entwickelte Sportgerät wird häufig als olympischer Bogen bezeichnet. Damit lassen sich genaue Treffer auf große Distanzen erzielen.
  • Compoundbögen mit einem Flaschenzug-ähnlichen Mechanismus haben eine weitaus größere Spannenergie. Die aufgewendete Zugkraft des Schützen ist von Beginn an bis kurz vor dem vollen Auszug etwa gleichmäßig hoch, dadurch erhält der Pfeil einen höheren Impuls. Die Länge des Auszugs hängt von der Armlänge des Schützen und der Schießtechnik ab. Dazu gehört die Wahl des Ankerpunktes der Zughand für den maximalen Auszug der Sehne.

Köcher

Neben dem Bogen mit oder ohne Pfeilauflage und den Pfeilen gehört zur Ausrüstung ein Köcher, getragen auf dem Rücken oder an der Seite. Einige Modelle lassen sich auch am Bogen befestigen.

Kleidung und Schutz

Für den Bogenschützen wichtig sind

  • eng anliegende Kleidung, da die Sehne eng am Körper entlang schnellt
  • Lederarmschutz, welcher Blutergüsse am Unterarm verhindert
  • ein Fingerschutz in Form eines „Tabs“
  • oder ein Bogenschießhandschuh
  • oder Releases für die Hand, welche die Sehne zieht
  • gegebenenfalls ein Brustschutz

Beim „olympischen“ Bogenschießen wird über eine Pfeilauflage geschossen und häufig wird ein Bogenständer für die Ablage des Bogens benutzt.

Bogenausstattung

Die Bogenausstattung kann je nach Schießart durch technische Zusätze am Bogen und an der Sehne erweitert werden. Dazu gehören verschiedene Ausführungen von Pfeilauflagen, Bogenvisiere, Klicker, Overdraws, Peepsights, Stabilisatoren für Wurfarme und Bogen und Zusätze für die Bogensehne, wie Geräuschdämpfer, Kisserbuttons und Nockpunkthilfen (aus Metall oder „D-Loops“).

Schießen auf Zielscheiben

Als Zielscheiben dienen Zielauflagen mit Ringwertung, die Ringzahl reicht von 10 bis 1. Diese Zielscheiben sind von innen nach außen in Farben geteilt. Jede Farbe ist wiederum in 2 Ringe geteilt und steht für eine bestimmte Punkteanzahl. Gelb (auch Gold genannt) = 10 / 9 Punkte beziehungsweise Ringe; Rot = 8/7 Punkte; Blau = 6/5 Punkte; Schwarz = 4/3 Punkte und Weiß = 2/1 Punkt. Trifft man weder die Zielscheibe noch die Auflage, wird das als M (Miss) gewertet.

Der Zehner-Bereich für Compound-Schützen in der Halle ist mit 18 Metern kleiner als der für Recurve-Schützen und auch eigens eingezeichnet. Eine derartige X-Kennzeichnung ist auch im Freien vorhanden. Hier zählt die Wertung jedoch als Innenzehner. Als Treffer zählt bereits, wenn der den Ring umgebende schwarze Streifen vom Pfeilschaft berührt wird. Die Ringe 1 und 2 entfallen und bei Punktegleichheit gewinnt der Schütze mit den meisten Innenzehnern.

Schießablauf

Eine Ampel oder Ampelsteuerung regelt den Schießablauf, wobei ein- und zweireihiges Schießen unterschieden wird. Die Länge der Schießzeit ist abhängig vom Wettbewerb und ist in den Regelwerken festgehalten.

Nach dem Schießen werden die Treffer von den Schützen aufgenommen. Die Ergebnisse halten zwei Personen getrennt auf sogenannten Schießzetteln fest. Dazu zählt der Wert jedes einzelnen Pfeiles sowie die Summe aller erreichten Ringe.

Die bekanntesten Wettbewerbe im Bogensport sind:

  • WA im Freien (Meisterschaften und Olympische Spiele): 2 mal 36 Pfeile auf 70 Meter Entfernung, danach weiter im K.-o.-Verfahren
  • FITA-Runde oder Große FITA: Insgesamt werden 144 Pfeile auf verschiedene Entfernungen und Zielscheiben geschossen. Weiters wird in verschiedenen Wettkampfklassen je nach Alter und Geschlecht aus unterschiedlichen Entfernungen geschossen. Auf der 30-Meter-Distanz kann die Zielscheibe auch durch sogenannte Spots ersetzt werden. Für Schüler- und Jugendklassen gelten teilweise abweichende Regelungen bezüglich Entfernungen und Auflagengrößen.
  • Eine FITA-Runde wird in der Regel an einem Tag geschossen, die Doppel-FITA jedoch in zwei FITA-Runden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen
  • kleine oder halbe FITA: 50 und 30 Meter Distanz auf eine 80-Zentimeter-Zielscheibe, jeweils 36 Pfeile
  • 900er Runde: jeweils 30 Pfeile auf 60, 50 und 40 Meter auf eine 122 Zentimeter-Zielscheibe
  • FITA Halle: Hier gibt es zwei 2Durchgänge zu 30 Pfeilen auf 18 Meter Entfernung auf 60 Zentimeter-Auflagen (traditionelle Bögen und Schülerklasse A Recurve), 40 Zentimeter- Auflagen (Blankbogen und Jugendklasse Recurve) oder auf 3er-Spot-Auflagen (Olympischer Recurve und Compoundbogen)
  • Bogenliga Halle: In einer DSB Liga treten in der Regel acht Mannschaften zu drei Schützen pro Match gegeneinander an. Jede Mannschaft schießt an einem Wettkampftag gegen die restlichen sieben Mannschaften je ein Match. Ein Match besteht aus drei bis fünf Passen (Schüssen) zu je sechs Pfeilen, also zwei pro Wettkämpfer in einem 2-Minuten-Zeitlimit. Eine Ligasaison besteht aus 4 Wettkampftagen, im Finale treten die vier besten Mannschaften aus der 1. Bundesliga Nord und die vier besten Mannschaften aus der 1. Bundesliga Süd gegeneinander an.
  • Bogenliga im Freien: Auch hier gibt es Mannschaften mit je drei Schützen gegeneinander und jeder schießt 3 Pfeile auf 50 Meter auf 80 Zentimeter-Scheiben. Alle Schützen müssen ihre Pfeile innerhalb von 3 Minuten schießen. Pro Wettkampf werden 3 mal 3 Pfeile von jedem Schützen geschossen, also 27 Pfeile pro Mannschaft. Jede Mannschaft schießt gegen jede andere Mannschaft und der Sieger erhält jeweils 2 Punkte, Gleichstand bringt je einen Punkt. Gibt die Summe aller Punkte einen Gleichstand, zählen auch die Ringzahlen.
    Beim DBSV besteht eine Mannschaft aus vier Schützen und es wird auf 70 Zentimeter-Ziele geschossen.

Bogenschießen-Disziplinen

Die Bezeichnung Feldbogenschießen oder Feldschießen fasst unterschiedliche Disziplinen des Bogenschießens zusammen und basiert auf dem traditionellen Bogenschießen. Jedoch sind auch hier Zielvorrichtungen oder anderen Zusatzausstattungen üblich.

Feldbogenschießen

Im engeren Sinn hat Feldbogenschießen die Zielscheiben im Gelände entlang eines Rundkurses aufgestellt. Diese sind im Unterschied zur FITA-Zielscheibe schwarz mit einem gelben inneren Kreis. Auf einem Feldparcours sind die Entfernungen zumindest bei der Hälfte der Ziele nicht bekannt und es darf bergauf und bergab bis zu einem Abschusswinkel von 45 Grad geschossen werden.

3D-Schießen

3D-Schießen nutzt Tierfiguren aus Schaumstoff als Ziele, meist auf einem Bogenparcours. Außerdem erfolgen die Schüsse nicht nur in ebenem Feld, sondern ebenso hinauf und hinunter. Das 3D-Schießen ähnelt der Jagd, ohne Tiere zu verletzen. Ziel ist es, den Pfeil in das Kill des stilisierten Tiers zu platzieren, also dorthin wo Herz und Lunge liegen würden. Zu einem Parcours gehören etwa 28 Ziele, auf die jeweils maximal 3 Pfeile geschossen werden dürfen. Bei kleinen Parcours und der sogenannten Hunter-Wertung darf nur ein einziger Pfeil von einem Pflock abgeschossen werden. Der Schütze muss sich beim Abschuss hinter diesem Pflock befinden und ihn berühren.

4D-Bogenschießen

Das 4D-Bogenschießen nutzt große Leinwände und einen Projektor und ermöglicht so ein Training mit bewegten Zielen. Eine spezielle Sensorik registriert Pfeilflug und dessen Einschlag in der Leinwand. Für diese kommen spezielle Polymerschäume zum Einsatz und die Pfeile können beliebig wiederverwendet werden. Es gibt jagdliches-4D und 4D, bei welchem das Ziel klar markiert ist. Beim Jagdlichen-4D hingegen kommen Naturszenen oder animierte Inhalte zum Einsatz und der Schütze muss erahnen, wo sich der sogenannte Kill befindet.

Clout-Schießen, Roving und Flight Shooting

Beim Clout-Schießen wird auf eine 165 Meter entfernte im Boden angebrachte Flagge gezielt. Beim Roving stehen die Zielflaggen in unterschiedlichen unbekannten Entfernungen. Beim Flight Shooting oder Weitschießen ist es das Ziel des Bewerbs, möglichst weit zu schießen.

Traditionelles Bogenschießen

Das traditionelle (instinktive oder intuitive) Bogenschießen nutzt Bögen ohne technisches Zubehör wie Zielvorrichtungen oder Stabilisatoren auf Parcours im Wald. Neben dem Recurvebogen in seiner Form als Blankbogen gibt es hier den Langbogen, dem Reiterbogen und dem Primitivbogen. Es werden auch selbst gebaute Bögen verwendet.

Berittenes Bogenschießen

Berittenes Bogenschießen nutzt kurze Reiterbögen vom Pferderücken aus, meist im Galopp, nach Vorbild der mongolischen Krieger. Diese Schießtechnik ähnelt dem traditionellen instinktiven Bogenschießen.

Kyūdō

Kyūdō ist das traditionelle japanische Bogenschießen, beruhend auf der alten Kriegstechnik der Samurai. Unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus entstand eine eigene Kunstform. Sowohl die Bauart des Bogens, als auch die Technik des Schießens unterscheidet sich völlig vom Sport-Bogenschießen.

Yabusame

Yabusame ist eine ältere traditionelle japanische Art des Bogenschießens, die vom Pferd aus ausgeübt wird.

Therapeutisches Bogenschießen

In vielen psychosomatischen Kliniken, in der Therapie für Kinder und Jugendliche und in der Rehabilitation wird Bogenschießen als Bestandteil der Behandlung angeboten.

Paralympische Sportart

Blinde und sehbehinderte Bogenschützen kämpfen derzeit um die Anerkennung dieses Blinden- und Sehbehindertensport als paralympische Sportart.

Bogenschießen-Organisationen

Der offiziell anerkannte internationale Verband für den Bogensport ist die World Archery Federation (WA), in Deutschland vertreten durch den Deutschen Schützenbund (DSB). Qualifikation zu Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ist nur über den DSB möglich. Das 3D-Feldbogenschießen und 3D-Meisterschaften sind im DSB jedoch nicht vorgesehen. Daher fand die WA 3D-Weltmeisterschaft in den letzten Jahren ohne deutsche Beteiligung statt.

Weitere Verbände in Deutschland sind neben DSB auch der Deutsche Bogensport-Verband (DBSV) und der Deutsche Feldbogenverband (DFBV). Dieser ist international mit der International Field Archery Association (IFAA) verbunden. Diese richtet jedes Jahr qualifikationsfreie Welt- und Europameisterschaften der inkorporierten nationalen Verbände aus. Da Feldbogenschießen als Breitensport immer populärer wird, gibt es in jüngerer Zeit Kooperationen zwischen dem DFBV und dem DSB.

Weiters gibt es die Archery Association of Europe (AAE), gegründet 1968 von Angehörigen der US-amerikanischen und kanadischen Streitkräfte in Deutschland. Als übernationaler Verband zählt dieser nun ebenfalls zur IFAA und ist teilnahmenberechtigt an deren Welt- und Europameisterschaften. Als olympischer Bogen ist nur der Recurvebogen mit Visier zugelassen.