Wie spielt man Rugby – Spielregeln

Die Mannschaftssportarten Rugby und Fußball haben zwar einen gemeinsamen Ursprung in Großbritannien, deren aktuelle Spielregeln jedoch kaum etwas miteinander zu tun. Rugby oder Rugby Football ist in Teilen des britischen Commonwealth und Ländern der südlichen Hemisphäre äußerst populär. Hierzulande zählt Rugby jedoch zu den weniger bekannten Sportarten.

Einer Legende nach soll das Spiel Rugby in der gleichnamigen Stadt um 1823 entstanden sein. Der Mannschaft von William Webb Ellis drohte eine Niederlage, also nahm er den Ball in die Hände und legte ihn so ins Tor des Gegners. Daher ist der Pokal der Rugby-Union-Weltmeisterschaft nach ihm (der Webb Ellis Cup). Allerdings gab es schon davor viele Spielvarianten mit dem Tragen eines Balls in der Hand. Der 1863 gegründete englische Fußballverband Football Association (FA) versuchte aus den noch vielfältigen Fußballregeln ein einheitliches Regelwerk zu entwickeln, jedoch kam es zu Streitigkeiten und 1871 zur Gründung der Rugby Football Union (RFU), einem konkurrierenden Verband.

Die RFU standardisierte in der Folge nach und nach die Regeln der Rugby School und organisierte noch im selben Jahr das erste Rugby-Länderspiel in Edinburgh zwischen Schottland und England.
Im Jahre 1895 erfolgte eine weitere Trennung innerhalb der RFU. Die Northern Rugby Union (heute Rugby Football League) legte eigene Rugby League-Regeln fest und erlaubte die Professionalisierung des Sports. Die RFU (heute Rugby Union) blieb dem Amateursport treu. Beide Varianten des Rugbysports gibt es noch heute und es gibt internationale Begegnungen von Nationalmannschaften nach beiden Regelungen. Seit 1995 sind auch bei der Rugby Union Profisportler zugelassen und sie gilt seitdem als die global führende Rugby-Variante. Auch im deutschsprachigen Raum versteht man unter dem Begriff Rugby meistens die Regelungen der Rugby Union. Im Breitensport und an den Schulen dominiert die kontaktarme Variante Touch Rugby und es gibt im Spitzensport auch die mittlerweile olympisch gewordene Variante 7er-Rugby.

Inhalt des Spiels – Rugby

Rugby ist Teamsport mit Körpereinsatz („Tackling“) und taktischen Zügen. Beim Rugby wird anstelle eines Balles ein „Ei“ geworfen, ähnlich wie beim amerikanischen Football. Nach den Union-Regeln stehen sich zwei Mannschaften zu je 15 Spielern auf dem Spielfeld gegenüber und versuchen, das „Ei“ in das jeweils gegnerische Tor zu befördern (englisch Goal). Ziel ist es, mehr Punkte als das gegnerische Team zu machen. Gewinner ist jenes Team, welches die meisten Punkte am Ende des Spieles vorweisen kann. Ein Rugby-Union-Spiel dauert zweimal 40 Minuten. Bei Jugendspielen sind kürzere Spielzeiten üblich. Die Pause zwischen den beiden Halbzeiten ist zehn Minuten lang.

Das Spielfeld

Rugby-Spielfelder können Oberflächen mit Gras, Schnee, Ton oder Sand aufweisen. Es gibt keine präzisen Größenangaben, ein Spielfeld darf jedoch die maximale Länge von 100 Metern und eine maximale Breite von 70 Metern nicht überschreiten. Die sogenannten Malfelder an den beiden Enden des Spielfeldes gilt eine Höchstlänge von 22 Metern und eine Mindestlänge von 10 Metern.

  • Die Seitenauslinien an den seitlichen Rändern des Spielfelds und die Endauslinie am hinteren Ende der Malfelder begrenzen das Spielfeld. Ein Ball befindet sich hier bereits im Aus.
  • Die Mittellinie teilt das Spielfeld in zwei Hälften.
  • Die 10-Meter-Linie ist 10 Meter von der Mittellinie entfernt.
  • Die 22-Meter-Linie ist 22 Meter vom Spielfeldende entfernt und begrenzt einen Bereich zur Mallinie, auch „die 22“ genannt.
  • Die 5-Meter-Linien sind sechs unregelmäßige, zur Mittellinie parallele Streifen fünf Meter vor den Spielfeldenden. An den
  • Die 5-Meter-Seitenauslinie liegt 5 Meter von den Spielfeldseiten entfernt parallel zu den Seitenauslinien. Dahinter sollten keine Tacklingmanöver mehr stattfinden.

Das Rugby-Tor

Das H-förmige Rugby-Tor besteht aus zwei senkrechten Malstangen mit einem Abstand von 5 bis 6 Metern zueinander und einer Querstange in 3 Metern Höhe. Je ein Tor steht am Spielfeldende in der Mitte der Mallinie. An den unteren Enden dieser Malstangen sind üblicherweise Polsterungen als Verletzungsschutz befestigt.

Der Rugbyball

Der Ball beim Rugby ist nicht rund, sondern rotationselliptisch geformt und daher üblicherweise unter der Bezeichnung „Ei“ geläufig. Früher bestanden Rugbybälle aus vier aneinander genähten Lederflächen. Moderne Bälle haben eine Gummioberfläche mit kleinen Noppen und kommen in fünf Größen vor. Größe 5 für Erwachsenenrugby ist die größte mit einer Länge von 280 bis 300 Millimetern und Mittenumfang 760 bis 790 Millimetern. Das Gewicht reicht von 400 bis 440 Gramm.

Sportkleidung

Aus den Medien sind die Helme und massiven Protektoren des American Football bekannt. Beim Rugby gibt es nichts dergleichen, nur das Tragen eines Zahnschutzes ist Pflicht. Die Spielkleidung besteht üblicherweise aus einem festen Trikot, kurzen Hosen, Kniestrümpfen und Stollenschuhen. Einige Spieler benutzen auch eine weiche Kappe zum Schutz der Ohren oder ein dünnes, schaumstoffgefüttertes Schulterpolster unter dem Trikot.

Die Spielregeln des Rugby

Bei allen Varianten des Rugby ist es das Ziel, den Ball am Gegner vorbei zu befördern, beispielsweise zu einem Stürmer zu passen, und so Punkte zu erzielen. Dies kann auf verschiedene Arten geschehen: Das Ei kann getragen, mit den Füßen gekickt oder mit den Armen geworfen werden. Der Ball muss dabei das Tor über der Querstange durchqueren.

Beim Werfen darf der Ball nur nach hinten gespielt werden. Bei einem Vorwärtswurf, also einem Verstoß gegen diese Regel, gibt es ein angeordnetes Gedränge. Das Gedränge ist gewissermaßen ein Kräftemesser der mit 1 bis 8 nummerierten Spieler, die dann „um den Ball schieben“. Dabei stehen die Spieler Kopf an Kopf, gebückt mit geradem Rücken, und versuchen sich gegenseitig wegzuschieben, um sich so den Ball zu sichern.
Mit dem Fuß darf der Ball straffrei in jede Richtung gekickt werden.

Ein Spieler ohne Ballbesitz darf nicht attackiert werden. Erst wenn ein Spieler den Ball hat, ist Attackieren gestattet.

Die abwehrende Mannschaft darf den Spieler mit Ballbesitz auch klammern. Das Tiefhalten und das den Gegner zu Boden bringen sind ebenfalls erlaubt und im Rugby-Regelwerk vorgesehen.

Berühren Spieler mit Ballbesitz den Boden mit mehr als nur den Schuhsohlen, wird der Spielball freigegeben. In diesem Fall darf der Spieler den Ball nicht noch mal aufgreifen. Tut er es dennoch, bekommt die gegnerische Mannschaft den Ball.

Wenn der Spieler auf dem Boden liegt, dürfen Spieler beider Teams andere nach dem Ball schieben und drücken, dürfen aber nicht die Hände dabei benutzen. Schlagen und Beinstellen ist ebenfalls streng verboten.

Spielbeginn und Spielverlauf

Zu Beginn des Spiels bezieht die ankickende Mannschaft an der Mittellinie Stellung. Beim Ankick steht die verteidigende Mannschaft an der 10-Meter-Linie. Da der Ball niemals vorwärts geworfen werden darf, das Balltreten in alle Richtungen erlaubt ist, kann Raumgewinn nur durch das Laufen mit dem Ball und das Kicken des Balls erzielt werden. Rückpässe erfolgen meist schräg, um eine freie Laufposition zu erreichen.

Nur ein balltragender Spieler darf angegriffen werden, alles andere ist ein Regelverstoß. Erlaubt sind Umklammern und Tiefhalten (englisch tackle), Behindern unterhalb der Schulterlinie und zu Fall zu bringen. Ein zu Fall gebrachter Spieler muss den Ball loslassen und darf nicht mehr danach greifen. Alle Angriffe und Spielzüge, sowohl defensive wie offensive, zielen stets auf einen Gewinn von Punkten ab.

Typische Spielelemente beim Rugby sind

  • angeordnete (englisch scrum) und offene Gedränge (englisch ruck),
  • das Paket (englisch maul) – einer oder mehrere Spieler halten oder blockieren den balltragenden gegnerischen Spieler,
  • die Gasse – der Einwurf von der Seitenlinie (englisch lineout)
  • sowie das Lauf- und Passspiel der sogenannten Dreiviertelreihe (englisch three quarters).

Weitere Fachausdrücke:

Versuch (englisch Try): Es gelingt, den Ball im gegnerischen Malfeld auf dem Boden abzulegen.
Erhöhung (englisch Conversion): Nach einem erfolgreichen Versuch darf die angreifende Mannschaft den ruhenden Ball zwischen die H-förmigen Malstangen über die Querstange treten. Das darf von einer beliebigen Position auf einer gedachten Linie parallel zur Seitenauslinie geschehen, jedoch durch jenen Punkt, an dem der Versuch gelegt wurde.
Sprungtritt (englisch dropkick): Aus dem laufenden Spiel heraus tritt ein Spieler den Ball, der vorher den Boden berührt haben muss, zwischen die Malstangen und über die Querstange.
Straftritt (englisch penalty kick): Von einem Punkt aus, an dem ein schwererer Regelverstoß der gegnerischen Mannschaft stattfand, erfolgt ein Tritt des Balls auf die Malstangen und über die Querstange.

Punktevergabe

Das System der Punktevergabe beim Rugby ist kompliziert und umfangreich. Die wichtigsten Regelungen sind:
Try: Fünf Punkte gibt es, wenn es einem Team gelingt, den Ball im Malfeld des gegnerischen Teams abzulegen. Der Ball kann mit den Armen dorthin getragen oder auch gekickt werden. Die Bedingung ist, dass der Ball nach dem Liegen von einem der Angreifer mit der Hand berührt werden muss.

Die Erhöhung nach dem Try – der Kick des Rugby-Balls durch das Tor – bringt bei Gelingen den Angreifern zwei weitere Punkte ein.

Eine erfolgreiche Erhöhung nach einem Straftritt bringt den Angreifern drei Punkte.

Der Strafversuch liegt vor, wenn eine unfaire Attacke des Gegners einen Try vereitelt. Ein solch geglückter Strafversuch ergibt fünf Punkte für das angreifende Team.

Das Gedränge bringt selbst keine Punkte, kann aber schnell zu einem direkten Try oder sonstigen Punkt führen.

Der Sprungtritt kann bei Gelingen dem angreifenden Team drei Punkte einbringen. Das Ei muss davor aber den Boden berührt haben.

Rugby-Varianten

Neben den beiden Varianten des Rugby-Sports aufgrund seiner Geschichte gibt es weitere beliebte Abwandlungen.

  • 7er-Rugby: Während der ursprüngliche Rugby-Sport für 15 Spieler ausgelegt ist, gibt es mittlerweile eine Variante, mit sieben Spielern auf dem Platz stehen.
  • Beachrugby: Da der Ball hauptsächlich mit der Hand geführt wird, lässt sich Rugby auch im Sand an einem Strand spielen.
  • Touch Rugby und Tag Rugby: Im Bereich des Freizeitsports und an Schulen sind diese fast kontaktlosen Versionen des Rugby üblich, schon um die Verletzungsgefahr zu verringern.
  • Hallenrugby ist die Indoor-Variante des Rugby und richtet sich meist nach Regeln des Touch Rugby.
  • Rollstuhlrugby bedient sich dem Einsatz von Rollstühlen.
  • Unterwasserrugby läuft ähnlich dem Wasserball in einem Sportbecken ab.
  • Sonderformen: Varianten mit zwölf und zehn Rugbyspielern sind möglich, hier gelten jedoch die Regeln des 15er-Rugby-Union.
  • American Football, Canadian Football, Australian Football: Hier handelt es sich um Sportarten, die auf den Grundregeln des Rugby beruhen und ihre eigene Sportart daraus entwickelt haben.

Vorteile

  • Rugby ist eine international beliebte Sportart, für welche es viele Spielvarianten gibt.
  • Die Grundausrüstung für das Spiel ist preisgünstig.
  • Es ist ein Mannschaftssport und hilft dabei, Teamgeist zu entwickeln.
  • In vielen Schulen und Sportvereinen wird Rugby regelmäßig ausgeübt.
  • Es zählt nicht nur die Körpergröße, sondern auch Können und Geschick.
  • Wer den Sport ernsthaft betreiben will, findet viele aktive Sportvereine und Trainingsmöglichkeiten.

Nachteile

  • Im deutschsprachigen Raum ist Rugby nicht so beliebt und bekannt, was das Bilden von Mannschaften und einem Einsteiger das Erlernen der Regeln schwieriger machen kann.
  • Spielfeld und Rugby-Tore sind nicht überall in jeder Sporthalle oder Schule zu finden.
  • Man muss man sich also einem Verein oder einer Schulmannschaft anschließen, um Rugby spielen zu können.
  • Fitness und Training sind wichtig, da diese Sportart körperbetont ist, es besteht auch immer eine gewisse Verletzungsgefahr.

Fazit zum Rugby

Rugby gehört zu den beliebtesten Sportarten im englischsprachigen Raum und breitet sich langsam weltweit aus. Sie ist körperbetont und fördert den Teamgeist. Wer diesen Sport betreiben will, muss sich einem Sportverein anschließen. Trainieren und Fitness sind wichtig, da es sich um eine körperbetonte Sportart handelt.