Regeln Dressurreiten

Dressurreiten ist eine spezielle Disziplin des Pferdesports, bei welcher minimale Befehle das Pferd zur Ausführung von Aufgaben anleiten. Dieser Sport nutzt und fördert die natürlichen Veranlagungen des Pferdes durch gymnastische Übungen. Das Dressurreiten bewertet verschiedene Figuren und Gangarten. Notwendig ist ein sogenanntes rittiges Pferd, welches auf minimale Signale oder Hilfen reagiert und eine Aufgabe oder Lektion exakt ausführt.

Die Dressur-Ausbildung des Pferdes, die sogenannte Skala der Ausbildung, ist die Grundlage jeder reiterlichen Betätigung, vollendet in der Hohen Schule. Hier verschmelzen Pferd und Reiter scheinbar zu einem Lebewesen. Diese Sportart wird daher vielfach mit dem Tanzsport verglichen, da Reitsport zu Reitkunst wird.

Für alle anderen bekannten Reitstile, wie beispielsweise das Springreiten, ist die Dressur ebenfalls die Grundvoraussetzung.

Entwicklung des Dressurreitens

Ein Ursprung des Dressurreitens findet sich in den höfischen Reitvorführungen, den sogenannten „Caroussels“ und „Horse-Ballets“ oder auch Quadrillen. Das moderne Dressurreiten hat seinen Ursprung im Militärreiten, da für diese Sportart ein durch und durch trainiertes Pferd notwendig ist. Einerseits muss es muskulös sein, um den Reiter samt Ausrüstung tragen zu können. Weiters muss es auf die Anweisungen des Reiters hören. Auf dieser Basis entwickelte sich ein spezieller Reitstil und eigene Reitlehren. Deren Ziel war es, dass die Pferde schöne Figuren laufen und den Reiter entsprechend dabei tragen.

Figuren im Dressurreiten sind beispielsweise die Pirouette, Piaffe und Passage. Bei den Gangarten unterscheidet man Trab, Galopp und Schritt. Es gibt sowohl Einzel- als auch Mannschaftswettbewerbe.

Das Dressurreiten ist auch eine olympische Disziplin, bei welcher deutsche Sportler auch besonders erfolgreich abschneiden und beispielsweise 2008 olympisches Gold gewinnen konnten. Deutschland führt international in dieser Sportart seit Jahrzehnten, auch aufgrund der Erfolge in der Pferdezucht. Seit 2009 treten Männer und Frauen gemeinsam in deutschen Dressursportbewerben an. Weltweit sind Frauen im Dressursport führend.

Ausrüstung

Beim Dressurreiten kommen Dressursattel und die englische Trense zum Einsatz.

Für den Reiter zählt vor allem die Sicherheit und auf folgende Ausrüstung im Training sollte nicht verzichtet werden:

  • Korrekt sitzender Kopfschutz (Reithelm oder Reitkappe)
  • Jacke, Pullover oder Weste
  • Sicherheitsweste oder Airbag-Weste
  • Reithose mit Protektoren
  • Reitschuhe oder Reitstiefel
  • Spezielle Handschuhe
  • Protektoren für den Rücken
  • Gerte und Sporen

Die Beine und die untere Körperpartie des Pferdes sind meist mit Vaseline oder Gleitgel eingeschmiert. Das verringert die Gefahr von Verletzungen bei der Berührung von Hindernissen. Es gibt auch fertige Mischungen im Handel zu kaufen. Oft tragen Pferde auch Gamaschen für zusätzlichen Schutz.

Bei der Kleidung der Reiter und bei der Ausrüstung der Pferde ist auch darauf zu achten, dass es keine unnötigen Accessoires und Verzierungen gibt. Denn diese können sich verfangen oder scheuern.

Ausrüstung bei Wettbewerben

Bei Dressur-Wettbewerben beziehungsweise Prüfungen im Dressurreiten muss die Ausrüstung von Pferd und Reiter einem Reglement folgen.

  • Der Dressursattel ermöglicht einen engen Kontakt des Reiterschenkels zum Pferdekörper.
  • Die Zäumung ist meist Kandare (Übertragung Zügelhilfen auf Unterkiefer und Genick) mit Unterlegtrense (mildert Wirkung der Kandare).
  • Trensenzügel und Kandarenzügel ermöglichen die Übermittlung fein abgestimmter Hilfen von der Reiterhand zum Pferdemaul.
  • Schutzgamaschen für das Pferd sind verboten
  • Der Einsatz der Dressurgerte ist verboten
  • Sporen sind erlaubt, die Länge des Sporendorns darf maximal 3,5 Zentimeter betragen.
  • Sporen ohne Dorn sind ebenfalls erlaubt.

Die Kleidung der Reiter ist genau vorgeschrieben und besteht aus

  • einer dunklen Reitjacke oder Uniformjacke; bei Leistungsprüfungen wie Prix Sankt Georges einem schwarzen oder dunkelblauen Frack
  • einer weißen Reithose
  • einem weißem Hemd
  • Plastron oder Krawatte
  • schwarzen Reitstiefeln
  • weißen Reithandschuhen
  • einer Kopfbedeckung: Zylinder, Melone oder Uniformhut

Ausbildung des Pferdes

Im Mittelpunkt des Dressurreitens steht nicht das Konditionieren des Pferdes auf Kommandos im engeren Sinn einer Dressur. Es geht eher um die Gymnastizierung und Sensibilisierung des Pferdes zur Erhöhung von Kraft, Beweglichkeit und Durchlässigkeit. Als Durchlässigkeit definiert man die Fähigkeit und Bereitschaft des Pferdes, die Anweisungen und Hilfen des Reiters einzugehen.

Das Training beim Dressurreiten fördert und verfeinert die natürlichen Bewegungen des Pferdes und ermöglicht es dem Tier, das Gewicht des Reiters optimal zu tragen. Das trägt außerdem zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Die Ausbildung eines Dressurpferdes erfolgt anhand einer Ausbildungsskala.

Dressur-Figuren

Die Dressuraufgaben in einem Wettbewerb bestehen aus einer bestimmten Anzahl von Lektionen. Die typischen Figuren müssen in einer bestimmten Reihenfolge in entsprechende Schwierigkeitsstufen gezeigt werden. In einer Kür mit Musikuntermalung kann die Abfolge allerdings frei gewählt werden.

Die Grundgangarten sind Schritt, Trab und Galopp auf geraden und gebogenen Linien, den sogenannten Bahnfiguren. Das Pferd bewegt sich dabei vorwärts, seitwärts oder auch rückwärts. Kompliziertere Bewegungsabläufe kommen in den höheren Disziplinen der Dressur vor. In der Bewertung werden der Sitz und die Hilfengebung des Reiters, die Bewegung und die Rittigkeit des Pferdes sowie die Korrektheit der Ausführung der verlangten Lektionen beurteilt.

Typische Figuren beim Dressurreiten sind

  • Vorhandwendung, eine Wendung um einen Punkt nahe am inneren Vorderfuß
  • Hinterhandwendung, hier wendet das Pferd am inneren Hinterbein
  • Kurzkehrtwendung, das Pferd wendet um 180 Grad
  • Pirouetten, wo das Pferd um das innere Hinterbein gewendet wird. Richtige Pirouetten gehören allerdings zur hohen Schule.
  • Schenkelweichen lassen sich mit den Bewegungen „Viereck verkleinern“ und „Viereck vergrößern“ beziehungsweise „Zirkel verkleinern“ und „Zirkel vergrößern“ beschreiben und sind typische Übungen bei der Dressur.
  • Travers und Renvers, Vorwärts-Seitwärts-Bewegungen des Pferdes in unterschiedliche Bewertungsrichtungen
  • Traversale, eine Vorwärts-Seitwärts-Bewegung im Trab oder Galopp entlang einer diagonalen Linie
  • Bei Travers, Renvers und Traversalen ist die Huflinie besonders wichtig. Diese Übungen erfordern bereits ein hohes Maß an Vertrauen und Ausbildung sowohl von Pferd und Reiter.

Hohe Schule

Die Übungen der hohen Schule sind schwierig zu erlernen und verlangen viel von Reiter und Pferd. Ein Pferd wird erst ab dem Alter von fünf Jahren und nach der Grundausbildung weiter für diese Dressurstufe ausgebildet. Bis zur Beherrschung aller Figuren der hohen Schule können bis zu fünf Jahre vergehen. Daher werden Pferde erst ab einem Alter von 12 Jahren zur hohen Schule zugelassen.

Die anspruchsvollen Figuren in der sogenannten hohen Schule sind beispielsweise

  • Piaffe, vom französischen Begriff „piaffer“, tänzeln, stampfen: Das Pferd führt eine trabartige Bewegung an der Stelle aus
  • Spanischer Schritt: Der Bogen des Vorderhufs durch die Luft ist besonders hoch und ausgreifend.
  • Passage ist ein Trab in verzögerten Tritten mit einer verlängerten Stütz- beziehungsweise Hangbeinphase.
  • Redopp oder Terre à terre ist ein kurzer, hocherhobener Schaukelgalopp im Zwei- oder im leicht versetzten Viertakt nahezu auf der Stelle. Beide Vorderhufe werden erhoben und etwas versetzt voreinander wieder abgesetzt, dann springen beide Hinterbeine auf gleiche Weise nach.
  • Volte bezeichnet einen kleinen Kreis
  • Pessade ist eine Halb-Volte, wo die Hinterbeine innen gehalten werden, sodass sie einen kleineren Kreis beschreiben als die Vorderbeine.
  • Galopp-Pirouetten können nur von Pferden ausgeführt werden, die bereits eine mehrjährige Ausbildung und genug Erfahrung haben.

Dressurprüfungen

Je nach Niveau gibt es verschiedene Prüfungen im Dressurreiten, beispielsweise

  • Prix St. Georges
  • Intermediaire I
  • Intermediaire I Kür
  • Intermediaire II
  • Intermediaire A und B
  • Grand Prix de Dressage
  • Grand Prix Spécial und
  • Grand Prix Kür.

Bewertung

Bei Turnieren erhalten Reiter und Pferde in Dressuraufgaben die Wertnote von 0 (nicht gezeigt) bis 10 (ausgezeichnet). Es gibt entweder eine Note für die gesamte Aufgabe oder eine Gesamtnote. Diese setzt sich aus separaten Noten für jede einzelne Lektion der Aufgabe zusammen. Die Prüfungen werden auf einem genormten Dressurviereck einzeln oder in kleinen Gruppen durchgeführt. Die Bewertungen nehmen dabei bis zu fünf Richter gemeinsam oder einzeln vor.

Die Reiterhilfen

Als sogenannte Reiterhilfen bezeichnet man die nötigen Einwirkungen des Reiters auf das Pferd. Ein Reiter hat eine Reihe von Möglichkeiten, dem Pferd minimale Signale zu geben, welche Bewegungen das Tier ausführen soll. Führt das Pferd die Anforderungen dementsprechend aus, spricht man von einer Lektion. Durch die Dressur werden diese Bewegungen des Pferdes verbessert und verfeinert.

  • Schenkelhilfen kann das Pferd am einfachsten verstehen: Der Reiter drückt den Schenkel gegen das Pferd und gibt ihm so die Anweisung, nach vorne oder zur Seite zu gehen oder zu bremsen.
  • Zügelhilfen durch Nachgeben oder Anziehen signalisieren dem Pferd
    • stehen zu bleiben
    • sich aufzurichten
    • sich zu wenden oder
    • seitwärts zu gehen.
  • Gewichtshilfen sind Gewichtsverlagerungen des Reiters, welche dem Pferd den Weg anzeigen. Eine einseitige Belastung zeigt dem Tier beispielsweise, dass es zur Seite gehen oder wenden soll.
  • Die Kreuzhilfe signalisiert dem Pferd, dass es sich entspannen soll oder dass eine neue Aufgabe wartet.
  • Stimmhilfen kommen im Dressurreiten nur selten zum Einsatz und dienen eher jungen oder nervösen Pferden zur Beruhigung.