Regeln Distanzreiten

Ihr interessierst euch für die Regeln im Distanzreiten beim Pferdesport? Wunderbar, denn hier seid ihr an der richtigen Adresse. Ganz gleich, ob ihr diesen Sport selbst ausüben möchtet oder wissen wollt, auf was es dabei ankommt, findet ihe bei uns die Antworten.

Geschichte des Distanzreitens

Das Distanzreiten konnte man erstmals auf das Jahrhundert v. Chr. datieren, denn aus dieser Zeit stammt die erste Anleitung hierfür. Diese Anleitung hatte das Ziel, Pferde so auszubilden, dass sie rund 1.000 km in 7 Nächten zurücklegen konnten.

Dies wurde so gut aufgenommen, dass sich immer mehr dieser enormen Kraft bedienten, wodurch beispielsweise Poststationen entwickelt wurden und der Pony-Express gegründet wurde.

Erst seit etwa dem Ende des Jahrhunderts ist das Distanzreiten eine eigenständige Sportart – die allerdings auch vielen Tieren das Leben kostete, weil man sie zu sehr beanspruchte.

Was versteht man unter dem Distanzreiten?

Beim Distanzreiten legt das Gespann eine große Entfernung in möglichst kurzer Zeit zurück – heute allerdings, ohne die Pferde zu überfordern.

Meist geht es um eine vorgegebene und markierte Strecke mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit. Es gibt auch unmarkierte Distanzritt-Versionen, bei denen die Reiter die Strecke anhand einer Karte selbst finden müssen. Anders als bei Trecking- oder Wanderritten gibt es beim Distanzreiten keine Gelände-Hindernisse.

Die Grundvoraussetzungen für diesen Pferdesport sind eine hervorragende gesundheitliche Verfassung und eine solide Ausbildung. Die kleineren, hochblütigen Pferde haben jedoch aufgrund ihres Zuchtverlaufs die beste Veranlagung für diesen Hochleistungssport.

Breitensport 

Das Distanzreiten gibt es als Breitensport und auch als Hochleistungssport. Der Reiter muss in beiden Fällen das Tempo und die Reitweise auf das jeweilige Pferd und die Bodenverhältnisse einstellen. Tierärzte prüfen Kondition und Gesundheitszustand der Pferde vor dem Start und nach dem Zieleinlauf. Bei längeren Ritten gibt es eine oder mehrere zusätzliche Tests in bis zu 50 Minuten lange Pausen. Vom Tierarzt für reituntauglich befundene Pferde scheiden aus, um sie vor Schäden zu schützen.

Hochleistungssport

Distanzreiten als Hochleistungssport erfordert entsprechende Vorbereitung für Pferd und Reiter, damit sie hinsichtlich ihrer Fitness den Anforderungen gerecht werden.

Für das Pferd gibt es eine auf die geforderte Leistung abgestimmte Fütterung, regelmäßiges Training im offenen Gelände und viel Weidegang. Dadurch stärkt man sein Immunsystem und die Muskulatur. Je nach Trainingszustand gibt es Distanzritte mit unterschiedlichen Streckenlängen:

  • Distanzreiten für einen Tagesbewerb umfasst Strecken von 25 bis 160 Kilometer.
  • Seltener sind die Mehrtages-Distanzritte wie etwa Wien-Budapest und der Trabweg West vom Elsass an die Nordsee. Sie beginnen bei 25 km.

In der arabischen Welt ist Distanzreiten besonders populär, da gerade die Araber-Pferde besonders geeignet für diesen Sport sind. Viele internationale Bewerbe finden somit in arabischen Ländern statt . In den Medaillenrängen finden sich oft Reiter aus den Vereinigten Emiraten, Qatar oder Bahrain.

Disziplinen im Distanzreiten

Verschiedene Klassen im Distanzreiten stehen für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Die Königsdisziplin für viele Distanzreiter ist die Teilnahme an einem sogenannten Hundertmeiler. Die Streckenlänge mit 100 Meilen entsprechen 160 Kilometern.

  • Eine einfache internationale Klasse ist zum Beispiel der „bronze buckle qualifier“: 32,2 Kilometer müssen in einer Geschwindigkeit von 10,5 bis 12,8 Kilometern pro Stunde bewältigt werden.
  • In einer weit höheren Klasse ist beispielsweise der „golden horseshoe“ Bewerb in Exmoore mit einer 160,9 Kilometer-Strecke in zwei Tagen.

In Deutschland bietet der Verein Deutscher Distanzreiter (VDD) folgende Disziplinen:

  • Einführungswettbewerbe mit einer Strecke von 25 bis 39 Kilometern, das Pferd muss mindestens fünf Jahre alt sein.
  • Distanzen mit einer 40 bis 59 Kilometer-Strecke, Mindestalter des Pferdes sechs Jahre
  • Mittlere Distanzen mit einer 60 bis 79 Kilometer-Strecke, Mindestalter des Pferdes sechs Jahre
  • Die höchste Klasse: Lange 80 bis 160 Kilometer-Distanzen, Mindestalter des Pferdes sieben Jahre

Pferderassen

Araber-Pferde sind aufgrund der Zucht prädestiniert für lange Distanzen. Sie ertragen hohe Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit und zeichnen sich durch Ausdauer aus. Außerdem hat ein Araberpferd starke Hufe und einen eleganten, leichten Gang. Daher ist diese Pferderasse die beliebteste für die Sportart Distanzreiten, besonders im Hochleistungsbereich.

In Deutschland finden sich so gut wie alle Pferderassen bei Distanzritt-Bewerben:

  • Haflinger
  • Isländer
  • Apalloosa
  • Knappstrupper
  • Deutsches Warmblut
  • Vollblut
  • Anglo- und Shagya-Araber
  • Vollblüter
  • Budjonny
  • Terske
  • Orlow-Traber
  • Achal-Tekkiner
  • Tenessee Walking Horse
  • Deutsches Reitpony

Gangarten

Beim Distanzreiten ist die vorherrschende Gangart ein schneller Trab mit etwa 15 bis 20 Kilometern pro Stunde. Zwischendurch kann es für ein paar Minuten auch Galopp oder Schritt sein. Die durchschnittliche Geschwindigkeit darf jedoch laut Zeitlimit einen langsamen Jog nicht unterschreiten. Hier ist der gelöste und mühelose Bewegungsablauf mit langen, bodendeckenden Schritten wichtig. Bei der ärztlichen Untersuchung wird auch dies begutachtet, indem das im Schritt oder Trab geführte Pferd von vorn und hinten ansieht.

Ausrüstung

Für Anfänger im Distanzreiten, die diesen Sport als Hobby ausprobieren wollen, ist keine besondere Ausrüstung notwendig. Es genügt ein Vielseitigkeitssattel.

Vor einem Ritt sollten Sattel und Zaumzeug gründlich kontrolliert werden.

Auch für das Pferd gibt es gemäß der Regeln im Distanzreiten keine Einschränkungen. Die Ausrüstung muss jedoch verkehrssicher und dem Zweck entsprechend sein. Das Wechseln von Decken, Gurten oder Sätteln kann bei Strecken über 80 Kilometer ebenfalls ratsam sein.

Pferdeausrüstung

  • Sattel: mit starren oder flexiblen Sattelbäumen oder auch baumlose Sättel, dazu ein Sattelgurt ohne Druck- oder Scheuerstellen. Ein Vorderzeug verhindert das Verrutschen des Sattels beim Bergaufreiten, ein Schweifriemen das Verrutschen beim Bergabreiten
    Trense
  • Satteldecke zur Polsterung
  • Abschwitzdecke, Regendecke oder Nierendecke
  • gelegentlich zwingend vorgeschrieben: Pferdedecke
  • Halfter, Strick
  • Führstrick und Longe
  • Putzzeug und Schweißmesser
  • Eimer und Verpflegung für unterwegs (Portionen an Hafer und Kops)
  • Nagel-Nachziehzange, Zinkpaste und Erste Hilfe für Pferd und Reiter
  • Gamaschen und Bandagen sind erlaubt, müssen für die tierärztlichen Untersuchungen entfernt werden.

Reiterausrüstung

Auch bei Wettbewerben gibt es keine konkreten Einschränkungen für die Reiterausrüstung. Unentbehrlich sind:

  • Lederriemen für den Sattel
  • Jacke oder Regenjacke, wasserdicht, atmungsaktiv und hinter dem Sattel verstaubar
  • Reitkappe oder Helm: Es gibt Helmpflicht für alle Reiter auf internationalen Bewerben
  • Reitstiefeletten oder Reitstiefel, aber auch Wander- oder Laufschuhe
  • bequeme Reithose
  • Wasserflasche und Verpflegung (Snacks)
  • Topo-, Reit-, und Wanderkarte, Wegebeschreibung
  • Uhr

Bei längeren Strecken über mehrere Tage muss auch die Übernachtung im Gelände berücksichtigt werden (Schlafsack). Mobiltelefon mit GPS oder ein GPS Gerät sowie ein Pulsmesser für das Pferd können nützlich sein, sind aber nicht unbedingt notwendig. Sonnencreme, Taschenlampe, Taschenmesser und ein Notgroschen sollten jedoch auch dazu gehören.

Reit- oder Wanderkarte

Wanderkarten im Maßstab 1:50.000 eignen sich am besten zur Orientierung im Gelände. Es gibt auch kostenlose elektronische Reit- und Wanderkarten als Telefon-Apps oder zur Nutzung auf einem GPS-Gerät. Ein Beispiel ist OpenStreetMap, die neben Beschaffenheit der Wege und Wanderwegmarkierungen auch Pferdetränken, Reiterhöfe und Übernachtungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter anzeigen kann.

Betreuer-Mannschaft

Bei längeren Strecken oder bei internationalen Wettkämpfen kann eine zusätzliche individuelle Betreuer-Mannschaft nützlich sein. Die Betreuer können sich um Pferde und gegebenenfalls auch Reiter kümmern. Sie helfen beim Transport der Ausrüstung und der Verpflegung. Besonders wichtig ist dabei die Versorgung mit Trinkwasser. Der Betreuer versorgt das Team an den vom Veranstalter eingerichteten Trosspunkten während der festgelegten Pausen.

Wettbewerbsregeln

Die Regeln im Distanzreiten für internationale Bewerbe im Distanzreiten sind vereinheitlicht. Im Falle von nationalen Wettbewerben können die Regeln von Land zu Land jedoch etwas voneinander abweichen. Den Turniersport in Deutschland regelt der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, kurz FN (Fédéracion Equestre Nationale). Das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei e.V. (DOKR) betreut die deutschen Spitzen-Distanzreiter.

Grundsätzlich ist die Teilnehmerzahl beschränkt:

  • Einführungsritten oder kurzen Distanz-Ritten: Mindesteilnehmerzahl 15, maximal 30.
  • Kurze Ritte: Bei kurzen Ritten gibt es alle drei Minuten einen Einzel- oder Gruppenstart mit maximal 3 Reitern.

Bei lange Ritten starten die Teilnehmer meistens gleichzeitig im Massenstart. Das vorgeschriebene Mindesttempo für den Ritt darf nicht unterschritten werden.

Sieger ist, wer zuerst durchs Ziel geht und das Pferd die folgende tierärztliche Untersuchung ohne Beanstandungen besteht.

Pferde-Untersuchung

Vor jedem Bewerb werden die Pferde von Tierärzten untersucht, bei kurzen Distanzen am Veranstaltungstag. Bei größeren Ritten oder mehreren Ritten parallel findet die Voruntersuchung schon einen Tag vor dem Bewerb und zusätzlich am Turniertag statt.

Die Voruntersuchung dient dazu, die normalen Puls- und Atemwerte jedes Pferdes festzustellen. Diese vergleicht der Arzt dann mit den Werten nach dem Ritt bei der Nachuntersuchung. Bei guter Kondition und Training sollten sich diese beiden Werte nahezu identisch verhalten. Das Limit eines noch akzeptierten Pulswertes liegt bei 64 pro Minute. Kann dieser Wert auch nach einer festgelegten Ruhephase nicht erreicht werden, folgt für Reiter und Pferd die Disqualifikation.

Neben den Puls- und Atemwerten zählt auch der gute Gesamteindruck eines Pferdes und dass Sattel- und Geschirrlage sowie Bewegungsapparat in Ordnung sind.

Strecke

Im Vorfeld für jeden Bewerb ist genau bekannt gegeben, welche Art von Strecke und welcher Boden zu bewältigen ist. Üblicherweise gibt es Streckenabschnitte auf Beton oder Asphalt, auf befestigten und unbefestigten Wegen und es müssen auch Wassergräben übersprungen oder durchritten werden. Angegeben ist auch die Höchstzeit für die Bewältigung der Strecke und eine erlaubte Zeit. Die Höchstzeit liegt meistens bei etwa 270 Minuten für 30 Kilometer. Das bedeutet, wer länger als 270 Minuten braucht, scheidet aus. Eine erlaubte Zeit von 180 Minuten bedeutet, dass all jene, die länger als 180 Minuten für die Strecke benötigen, Strafpunkte bekommen.

Weiters gibt es von den Veranstaltern eine Empfehlung, ob Hufbeschlag erforderlich ist oder nicht. Weitere Voraussetzungen sind beispielsweise Mindestalter von Reiter und Pferd, Verbot von Atem-beengender Zäumung, Sporen und Gerten. Bei kühler Witterung ist eine Decke mitzuführen und für Jugendliche besteht Helmpflicht.

Üblicherweise gibt es auch eine halbe Stunde vor dem Bewerb eine Vorbesprechung, um den Reitern einen kurzen Überblick der Gesamtstrecke zu geben, sowie Hinweise auf besonders schwierige Teilstrecken.