Regeln Distanzreiten

Beim Distanzreiten wird eine große Entfernung zu Pferd so schnell wie möglich bewältigt, ohne die Pferde zu überfordern. Die Pferde sollen auf unterschiedlichem Gelände viele Kilometer zurücklegen und trotzdem frisch und gesund ins Ziel kommen. Meist geht es um eine vorgegebene und markierte Strecke mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit. Es gibt auch unmarkierte Distanzritt-Versionen, wo die Reiter die Strecke anhand einer Karte selbst finden müssen. Anders als bei Trecking- oder Wanderritten gibt es beim Distanzreiten keine Gelände-Hindernisse.

Distanzreiten ist vermutlich eine der ältesten Reitsportarten der Welt. In frühen Kulturen mussten berittene Soldaten Tausende von Kilometern oft unter schlimmsten Bedingungen zurücklegen. Folglich stammt der früheste Text über das Training von Pferden für lange Distanzen und Kriegswagen aus etwa 1500 vor Christus. Ein Kommunikationssystem, das 1860 in den USA als Pony Express legendär wurde, hatten bereits die antiken Perser entwickelt. Und auch Dschingis Khan ließ seine Reiter etwa 240 Kilometer am Tag zurücklegen. Distanzreiten als Sport entwickelte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Europa, zunächst in Kreisen des Militärs. Am Distanzritt Wien-Berlin im Jahre 1892 nahmen ausschließlich Soldaten teil.

Breitensport 

Das Distanzreiten gibt es als Breitensport und auch als Hochleistungssport. Der Reiter muss in beiden Fällen das Tempo und die Reitweise auf das jeweilige Pferd und die Bodenverhältnisse einstellen. Tierärzte prüfen Kondition und Gesundheitszustand der Pferde vor dem Start und nach dem Zieleinlauf. Bei längeren Ritten gibt es eine oder mehrere zusätzliche Tests in bis zu 50 Minuten lange Pausen. Vom Tierarzt für reituntauglich befundene Pferde müssen aus dem Bewerb ausscheiden. Auf diese Weise ist für die Pferde gesorgt, damit sie keine bleibende Schäden davontragen.

Hochleistungssport

Distanzreiten als Hochleistungssport erfordert entsprechende Vorbereitung für Pferd und Reiter, damit sie hinsichtlich ihrer Fitness den Anforderungen gerecht werden. Für das Pferd gibt es eine auf die geforderte Leistung abgestimmte Fütterung, regelmäßiges Training im offenen Gelände und viel Weidegang. Dadurch werden Immunsystem und Muskulatur des Pferdes gestärkt. Je nach Trainingszustand gibt es Distanzritte mit unterschiedlichen Streckenlängen:

  • Distanzreiten für einen Tagesbewerb umfasst Strecken von 25 bis 160 Kilometer.
  • Seltener sind die Mehrtages-Distanzritte wie etwa Wien-Budapest und der Trabweg West vom Elsass an die Nordsee.

In der arabischen Welt ist Distanzreiten besonders populär, da gerade die Araber-Pferde besonders geeignet für diesen Sport sind. Viele internationale Bewerbe finden daher in arabischen Ländern statt und in den Medaillenrängen finden sich oft Reiter aus den Vereinigten Emiraten, Qatar oder Bahrain.

Disziplinen im Distanzreiten

Verschiedene Klassen im Distanzreiten stehen für verschiedene Schwierigkeitsgrade. Die Königsdisziplin für viele Distanzreiter ist die Teilnahme an einem sogenannten Hundertmeiler. Die Streckenlänge mit 100 Meilen entsprechen 160 Kilometern.

  • Eine einfache internationale Klasse ist zum Beispiel der „bronze buckle qualifier“: 32,2 Kilometer müssen in einer Geschwindigkeit von 10,5 bis 12,8 Kilometern pro Stunde bewältigt werden.
  • In einer weit höheren Klasse ist beispielsweise der „golden horseshoe“ Bewerb in Exmoore mit einer 160,9 Kilometer-Strecke in zwei Tagen.
  • In Deutschland bietet der Verein Deutscher Distanzreiter (VDD) folgende Disziplinen:
    Einführungswettbewerbe mit einer Strecke von 25 bis 39 Kilometern, das Pferd muss mindestens fünf Jahre alt sein.
  • Distanzen mit einer 40 bis 59 Kilometer-Strecke, Mindestalter des Pferdes sechs Jahre
    Mittlere Distanzen mit einer 60 bis 79 Kilometer-Strecke, Mindestalter des Pferdes sechs Jahre
  • Die höchste Klasse: Lange 80 bis 160 Kilometer-Distanzen, Mindestalter des Pferdes sieben Jahre

Pferderassen

Araber-Pferde sind von der Zucht her prädestiniert für lange Distanzen. Sie ertragen hohe Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeichnen sich durch Ausdauer aus. Außerdem hat ein Araberpferd starke Hufe und einen eleganten, leichten Gang. Daher ist diese Pferderasse die beliebteste für die Sportart Distanzreiten, besonders im Hochleistungsbereich.

In Deutschland finden sich so gut wie alle Pferderassen bei Distanzritt-Bewerben: Haflinger, Isländer, Apalloosa, Knappstrupper, Deutsches Warmblut, Vollblut-, Anglo- und Shagya-Araber, Vollblüter, Budjonny, Tersker, Orlow-Traber, Achal-Tekkiner oder Tenessee Walking Horse, auch ein Deutsches Reitpony ist nicht ungewöhnlich. Die Grundvoraussetzungen für diesen Pferdesport sind eine hervorragende gesundheitliche Verfassung und eine solide Ausbildung. Die kleineren, hochblütigen Pferde haben jedoch von der Zucht her die beste Veranlagung für diesen Hochleistungssport.

Gangarten

Beim Distanzreiten ist die vorherrschende Gangart ein schneller Trab mit etwa 15 bis 20 Kilometer pro Stunde. Zwischendurch kann es für ein paar Minuten auch Galopp oder Schritt sein. Die durchschnittliche Geschwindigkeit darf jedoch laut Zeitlimit einen langsamen Jog nicht unterschreiten. Hier ist der gelöste und mühelose Bewegungsablauf mit langen, bodendeckenden Schritten wichtig. Bei der ärztlichen Untersuchung wird auch dies begutachtet, indem das im Schritt oder Trab geführte Pferd von vorn und hinten ansieht.

Ausrüstung

Für Anfänger im Distanzreiten, die diesen Sport als Hobby ausprobieren wollen, ist keine besondere Ausrüstung notwendig. Es genügt ein Vielseitigkeitssattel und vor einem Ritt sollten Sattel und Zaumzeug gründlich kontrolliert werden.

Auch für das Pferd gibt es gemäß Reglement keine Einschränkungen. Die Ausrüstung muss jedoch verkehrssicher und dem Zweck entsprechend sein. Das Wechseln von Decken, Gurten oder Sätteln kann bei Strecken über 80 Kilometer ebenfalls ratsam sein.

Pferdeausrüstung

  • Sattel: mit starren oder flexiblen Sattelbäumen oder auch baumlose Sättel, dazu ein Sattelgurt ohne Druck- oder Scheuerstellen. Ein Vorderzeug verhindert das Verrutschen des Sattels beim Bergaufreiten, ein Schweifriemen das Verrutschen beim Bergabreiten
    Trense
  • Satteldecke zur Polsterung
  • Abschwitzdecke, Regendecke oder Nierendecke
  • gelegentlich zwingend vorgeschrieben: Pferdedecke
  • Halfter, Strick
  • Führstrick und Longe
  • Putzzeug und Schweißmesser
  • Eimer und Verpflegung für unterwegs (Portionen an Hafer und Kops)
  • Nagel-Nachziehzange, Zinkpaste und Erste Hilfe für Pferd und Reiter
  • Gamaschen und Bandagen sind erlaubt, müssen für die tierärztlichen Untersuchungen entfernt werden.

Reiterausrüstung

Auch bei Wettbewerben gibt es keine konkreten Einschränkungen für die Reiterausrüstung. Unentbehrlich sind:

  • Lederriemen für den Sattel
  • Jacke oder Regenjacke, wasserdicht, atmungsaktiv und hinter dem Sattel verstaubar
  • Reitkappe oder Helm: Es gibt Helmpflicht für alle Reiter auf internationalen Bewerben
  • Reitstiefeletten oder Reitstiefel, aber auch Wander- oder Laufschuhe
  • bequeme Reithose
  • Wasserflasche und Verpflegung (Snacks)
  • Topo-, Reit-, und Wanderkarte, Wegebeschreibung
  • Uhr

Bei längeren Strecken über mehrere Tage muss auch die Übernachtung im Gelände berücksichtigt werden (Schlafsack). Mobiltelefon mit GPS oder ein GPS Gerät sowie ein Pulsmesser für das Pferd können nützlich sein, sind aber nicht unbedingt notwendig. Sonnencreme, Taschenlampe, Taschenmesser und ein Notgroschen sollten jedoch auch dazu gehören.

Reit- oder Wanderkarte

Wanderkarten im Maßstab 1:50.000 eignen sich am besten zur Orientierung im Gelände. Es gibt auch kostenlose elektronische Reit- und Wanderkarten als Telefon-Apps oder zur Nutzung auf einem GPS-Gerät. Ein Beispiel ist OpenStreetMap, die neben Beschaffenheit der Wege und Wanderwegmarkierungen auch Pferdetränken, Reiterhöfe und Übernachtungsmöglichkeiten für Pferd und Reiter anzeigen kann.

Betreuer-Mannschaft

Bei längeren Strecken oder bei internationalen Wettkämpfen kann eine zusätzliche individuelle Betreuer-Mannschaft nützlich sein. Die Betreuer können sich um Pferde und gegebenenfalls auch Reiter kümmern. Sie helfen beim Transport der Ausrüstung und der Verpflegung. Besonders wichtig ist dabei die Versorgung mit Trinkwasser. Der Betreuer versorgt das Team an den vom Veranstalter eingerichteten Trosspunkten während der festgelegten Pausen.

Wettbewerbsregeln

Die Regeln für internationale Bewerbe im Distanzreiten sind vereinheitlicht. Im Falle von nationalen Wettbewerben können die Regeln von Land zu Land jedoch etwas voneinander abweichen. Den Turniersport in Deutschland regelt der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, kurz FN (Fédéracion Equestre Nationale). Das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei e.V. (DOKR) betreut die deutschen Spitzen-Distanzreiter.

Grundsätzlich ist die Teilnehmerzahl beschränkt. Bei Einführungsritten oder Kurzen Distanz-Ritten ist die Mindesteilnehmerzahl 15 und maximal 30.

Bei kurzen Ritten gibt es alle drei Minuten einen Einzel- oder Gruppenstart mit maximal drei Reitern. Bei langen Ritten starten die Teilnehmer meistens gleichzeitig im Massenstart. Das vorgeschriebene Mindesttempo für den Ritt darf nicht unterschritten werden. Sieger ist, wer zuerst durchs Ziel geht und das Pferd die folgende tierärztliche Untersuchung ohne Beanstandungen besteht.

Pferde-Untersuchung

Vor jedem Bewerb werden die Pferde von Tierärzten untersucht, bei kurzen Distanzen am Veranstaltungstag. Bei größeren Ritten oder mehreren Ritten parallel findet die Voruntersuchung schon einen Tag vor dem Bewerb und zusätzlich am Turniertag statt.

Die Voruntersuchung dient dazu, die normalen Puls- und Atemwerte jedes Pferdes festzustellen. Diese vergleicht der Arzt dann mit den Werten nach dem Ritt bei der Nachuntersuchung. Bei guter Kondition und Training sollten sich diese beiden Werte nahezu identisch verhalten. Das Limit eines noch akzeptierten Pulswertes liegt bei 64 pro Minute. Kann dieser Wert auch nach einer festgelegten Ruhephase nicht erreicht werden, folgt für Reiter und Pferd die Disqualifikation.

Neben den Puls- und Atemwerten zählt auch der gute Gesamteindruck eines Pferdes und dass Sattel- und Geschirrlage sowie Bewegungsapparat in Ordnung sind.

Strecke

Im Vorfeld für jeden Bewerb ist genau bekannt gegeben, welche Art von Strecke und welcher Boden zu bewältigen ist. Üblicherweise gibt es Streckenabschnitte auf Beton oder Asphalt, auf befestigten und unbefestigten Wegen und es müssen auch Wassergräben übersprungen oder durchritten werden. Angegeben ist auch die Höchstzeit für die Bewältigung der Strecke und eine erlaubte Zeit. Die Höchstzeit liegt meistens bei etwa 270 Minuten für 30 Kilometer. Das bedeutet, wer länger als 270 Minuten braucht, scheidet aus. Eine erlaubte Zeit von 180 Minuten bedeutet, dass all jene, die länger als 180 Minuten für die Strecke benötigen, Strafpunkte bekommen.

Weiters gibt es von den Veranstaltern eine Empfehlung, ob Hufbeschlag erforderlich ist oder nicht. Weitere Voraussetzungen sind beispielsweise Mindestalter von Reiter und Pferd, Verbot von Atem-beengender Zäumung, Sporen und Gerten. Bei kühler Witterung ist eine Decke mitzuführen und für Jugendliche besteht Helmpflicht.

Üblicherweise gibt es auch eine halbe Stunde vor dem Bewerb eine Vorbesprechung, um den Reitern einen kurzen Überblick der Gesamtstrecke zu geben sowie Hinweise auf besonders schwierige Teilstrecken.

Distanzritt-Ablauf

  • Erste Teilstrecke: Sie ist oft die schwierigste, da sich Pferd und Reiter noch aufwärmen müssen. Ein Reiter sollte sein Pferd einschätzen können und wissen, wann oder in welchen Situationen die Pulswerte des Pferdes hochgehen, um den Vet-Check so kurz wie möglich zu halten.
  • Erster Vet-Check: Es kann nützlich sein, einige Kilometer vor dem Vet-Check vom Pferd zu steigen, es zu führen und zu beruhigen und eventuell grasen zu lassen. Das Pferd muss an der Hand im Trab vorgeführt werden. Mit Werten unter 64 beim Check kann der Ritt direkt fortgesetzt werden.
  • Zweite Teilstrecke
    Zur Entlastung des Pferdes steigen viele Reiter zwischendurch vom Pferd, um es zu führen. Das ist besonders bei starkem Gefälle und krassen Steigungen anzuraten. So bleibt das Pferd auch frischer.
  • Zweiter Vet-Check
    Im zweiten Vet-Check werden erneut Atem und Puls getestet, ebenso wie der Gesamteindruck (dazu gehören eventuelle Druckstellen). Jedoch muss das im Gegensatz zum ersten Vet-Check nicht mehr an der Hand im Trab erfolgen.
  • Dritte Teilstrecke und Ziel
    Der Reiter muss sein Pferd gesund zum Ziel bringen und innerhalb der Maximalzeit. Bei Ankunft und 20 Minuten danach testen Tierärzte das Pferd erneut, ob es nicht überfordert wurde. Haben Reiter und Pferd diese Kontrolle erfolgreich absolviert, folgt zwei Stunden später die Nachuntersuchung. In der Zwischenzeit sollte das Pferd fachgerecht abgekühlt und akklimatisiert werden.
  • Nachuntersuchung und Siegerehrung
    Die Nachuntersuchung erfolgt ebenso gründlich wie die Voruntersuchung. Ist diese erfolgreich, sind Reiter und Pferd in der Wertung. Sieger ist, wer die Strecke in der besten Zeit bewältigt hat beziehungsweise bei Massenstart, wer als erster ins Ziel kommt. Die Siegerehrung findet stets nach der Nachuntersuchung des zuletzt eingelaufenen Reiters statt. Die Ergebnislisten im Detail werden üblicherweise nachgereicht.