Regeln Abfahrtslauf

Der Abfahrtslauf, auch als die Abfahrt oder das Abfahrtsrennen bekannt, ist eine Disziplin im alpinen Skisport. Als sogenannte Königsdisziplin zählt die Abfahrt mit dem Slalom zu den ältesten und längsten alpinen Skiwettbewerben. Und auch zu den gefährlichsten aufgrund der hohen Geschwindigkeiten, die erzielt werden. Bei den Weltcuprennen erreichen die Abfahrtsläufer Geschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometer die Stunde. Beim legendären Hahnenkammrennen in Kitzbühel wurden 150, beim Lauberhornrennen in Wengen sogar bis zu 160 Stundenkilometer gemessen.

Daher ist neben der geeigneten Ausrüstung die Kraft, Ausdauer, exzellente Skitechnik und Mut der Abfahrtsläufer ausschlaggebend. Die Siegeszeit einer Abfahrt beträgt im Weltcup meist etwa zwei Minuten.

Ausrüstung

Die Ausrüstung für den Abfahrtslauf  unterscheidet sich etwas im Vergleich zu den anderen Skisportdisziplinen.

Abfahrts-Ski

Ein Abfahrtsski ist 30 Prozent länger als ein Slalomski und sorgt so für zusätzliche Stabilität. Die Mindestlänge beträgt 218 Zentimeter für Männer und 210 Zentimeter für Frauen, an der Schaufel darf der Ski höchstens 95 Millimeter und an der schmalsten Stelle höchstens 65 Millimeter breit sein. Außerdem ist der Radius wichtig.

Die Radiusangabe bezieht sich auf den natürlichen Radius des Skis. Zur Messung wird der Ski auf die Kante gestellt und so weit durchgebogen, dass die Kante durchgehend auf dem Untergrund aufliegt. Aus dieser entstehenden gebogenen Linie lässt sich der natürliche Kurvenradius eines Skis errechnen. Der Mindestradius für Abfahrtsski im Welt- und Europacup beträgt 50 Meter.

Anzug und Schutzvorrichtungen

Die Rennläufer tragen beim Abfahrtslauf hautenge Skianzüge zur Minimierung des Luftwiderstands. Das Material muss jedoch eine genau definierte Luftdurchlässigkeit aufweisen. Jedes vom Internationalen Skiverband (FIS) organisierte Rennen lässt nur Anzüge zu, die vorher von der FIS überprüft und am linken Bein mit einer Plombe versehen wurden.
Zusätzlich vorgeschrieben bei Rennen sind Skihelm und Rückenschutz, neben Brille und Handschuhen.

Skistöcke

Im Abfahrtslauf und im Super-G dienen Skistöcke häufig nur zum Gleichgewichthalten, was bei den engen und schnellen Kurven sowie den hohen Geschwindigkeiten sehr wesentlich ist. Skistöcke bestehen aus einem leichten Material wie Aluminium oder Carbon. Ein Skistockrohr hat etwa 1 bis 2 Zentimeter Durchmesser und sind leicht geschwungen, da sie dadurch weniger Luftwiderstand bieten.

Beim Abfahrtslauf fährt man oft in der Hocke, wobei die Stöcke häufig unter die Arme genommen und an den Körper gehalten werden. An den Griffen befinden sich Schlaufen für einen sicheren Halt. Am unteren Ende eines Stocks befindet sich ein Teller, der dafür sorgt, dass die Skistöcke nicht sehr tief in den Schnee eindringen. Die Form der Teller von Abfahrtsstöcken und deren Länge unterscheidet sich von Langlaufstöcken: Abfahrtsstöcke sind kürzer.

Skischuhe

Die richtigen Skischuhe sind zur optimalen Kraftübertragung vom Fuß auf den Ski nötig. Skischuhe sind massiv gebaut und bestehen üblicherweise aus Kunststoff und Verbundstoffen. Rennfahrer bevorzugen harte bis sehr harte Skistiefel, die schmal und eng geschnitten sind. Der Komfort ist in diesem Fall zweitrangig, dennoch zählt die optimale individuelle Passform. Für die Angabe des Härtegrads dient der Flexindex, je höher, desto härter der Schuh. Skistiefel für Rennfahrer besitzen den Flexindex 150.
Es gibt auch Unterschiede zwischen Skischuhen für Männer und Frauen: Aufgrund des niedrigeren Wadenansatzes bei Frauen ist der Schaft der Skistiefel etwas niedriger.

Spezielle Ausrüstung für den Abfahrtslauf gibt es auch auf der Piste: Die Torstangen sind biegsam, damit sie bei Berührung möglichst wenig Widerstand bieten und die Tore sind maximal acht Meter breit.

Wettbewerbsegeln

Die ersten Regeln für die Abfahrt stammen aus 1921, erstellt von Sir Arnold Lunn für die britischen Landesmeisterschaften. Ein Abfahrtslauf ist nur auf einer speziell für die Abfahrt gesperrten und markierten Piste zugelassen. 

Die Abfahrtspiste

Ein typischer Abfahrtslauf führt über eine speziell präparierte Piste, die vor dem Rennen abgesperrt und mit einfarbigen Toren markiert wird. Zusätzlich werden durch Einfärben des Schnees Streckenbegrenzungen kenntlich gemacht. Typische Abfahrtsrennstrecken enthalten verschiedene Schwierigkeitsgrade, wie Sprünge, steile und flache Stellen sowie Kurven, wo unterschiedliche Techniken und Künste der Abfahrer gefragt sind. Abfahrtsstrecken für Olympische Winterspiele und FIS-Wettbewerbe unterliegen besonderen Prüfungen hinsichtlich technischer Ansprüche. Die Strecke muss vom Start bis ins Ziel mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten befahren werden können.

Eine weitere Regelung betrifft den Höhenunterschied bei Abfahrtsrennen im Weltcup, in den Kontinental-Cups, bei Weltmeisterschaften und bei Olympischen Spielen. Für Männer beträgt dieser mindestens 800 Meter und höchstens 1.100 Meter, für Frauen mindestens 500 und höchstens 800 Meter.

Startreglement

Für die Startreihenfolge gab es in der Geschichte der Abfahrt Änderungen und Modifikationen zwecks Chancengleichheit. Denn oft verschlechtern sich die Pistenverhältnisse im Laufe eines Rennens, die Änderung der Startreihenfolge soll dies ausgleichen. Für die Weltcup-Abfahrtsrennen gilt, dass die aktuell zehn besten der Weltrangliste sich eine ungerade Startnummer zwischen 1 und 19 aussuchen dürfen. Jene auf den Positionen 11 bis 20 der Weltrangliste werden auf die geraden Startnummern zwischen 2 und 20 ausgelost, die Startpositionen 21 bis 30 zwischen den auf den Rängen 21 bis 30 der Weltrangliste. Dieser Startmodus gilt auch für den Super-G.

Beim Abfahrtsbewerben wird üblicherweise nur ein einziger Durchgang absolviert. Eine Ausnahme ist die Sprint-Abfahrt, bei welcher eine wesentlich kürzere Rennstrecke in zwei Durchläufen befahren wird. Auf allen Rennstufen, von lokalen Jugendrennen bis hin zu Weltcuprennen, dürfen die Abfahrer vor dem Rennen die Piste besichtigen. Sie können auch bis zu dreimal vor dem Wettkampf Trainingsläufe durchführen. Hier versuchen die Skifahrer, sich die Gegebenheiten der Strecke bestmöglich einzuprägen.

Sprintabfahrt

Bei schlechten Sicht- und Witterungsbedingungen im oberen Streckenteil entscheidet sich die Rennjury manchmal für die Durchführung einer Sprintabfahrt. Diese findet im unteren Teil der Strecke statt und wird in zwei Läufen ausgetragen Der Höhenunterschied muss dabei mindestens 450 Meter betragen.